Thema: SPD
Schauen wir noch einmal auf die vergangene Wahl im Rhein-Erft-Kreis, so fällt schon auf, dass die Ergebnisse in den drei Wahlkreisen zum Nachdenken anregen können.

So haben wir 2 Wahlkreise, in denen die SPD-Kandidatin / der SPD-Kandidat trotz negativem Landestrend recht ansprechende Erststimmenergebnisse abgeliefert haben:

Rhein-Erft 1: CDU (Plonsker) 40,1% / SPD (v.d. Berg) 36,0%
Rhein-Erft 3: CDU (Golland) 37,1% / SPD (Andres) 35,0%

Man könnte sagen, na ja, immerhin noch auf Schlagdistanz.

Und Rhein-Erft 2: CDU (Rock) 44,2 % / SPD (DMoch) 34,2%

Schlagdistanz?

Noch schlimmer, in Frechen, ihrer Heimatgemeinde, lag Frau DMoch mit 7,77% hinter dem CDU-Kandidaten, der aus Hürth stammt.

Nun könnte man das ja alles auf den Landestrend schieben, aber solche Abstände wie im Wahlkreis Rhein-Erft 2 sind durch den Landestrend alleine nicht zu erklären. Oder hat der Landestrend bei Frau DMoch härter zugeschlagen als bei Herrn v.d. Berg oder Frau Andres?

Weitere Aspekte kommen hinzu:
dies ist nun bereits die dritte Niederlage in Folge für die SPD Frechen. Auch die vorangegangenen Kommunalwahlen und die Bürgermeisterwahl sind deutlich verloren worden.
Nach der Niederlage zur Bürgermeisterwahl schrieb der Kölner Stadtanzeiger:
Die SPD muss sich der Situation stellen, dass weder ihr Kandidat noch die Partei mehrheitsfähig waren. Neue Themen, neue Akzente und neue Gesichter könnten sie nach vorne bringen. Denn die Frechener haben schon oft bewiesen, dass nicht immer die Fraktionszugehörigkeit zählt, sondern Inhalte und Argumente. Wenn die überzeugen, muss nicht unbedingt ein Bündnis die Nase vorn haben.
Ob die SPD künftig mit Inhalten überzeugt, welche Konsequenzen sie aus der Wahlniederlage zieht, bleibt abzuwarten. Wichtig wäre nur, dass sich etwas ändert und die Debatten durch Inhalte bestimmt bleiben. Wünschenswert wäre es.
Nun ist die SPD inzwischen über 100 Jahre alt und in diesem hohen Alter hat man gelernt in anderen zeitlichen Dimensionen zu denken, insofern mag der Aufruf zur Erneuerung der 2014 formuliert wurde, erst im Laufe des kommenden Jahrzehnts zur Umsetzung kommen. Die SPD Frechen sollte dann aber bereits heute die Wahlen 2020 (Stadtrat und Bürgermeister) auf der Verlustseite einbuchen.

Denn das Schlimme ist ja, wenn man eine Erneuerung nicht frühzeitig einleitet, dann steht man kurz vor den Wahlen mit leeren Händen da und hat keinen politischen Nachwuchs.

Dazu eine Geschichte aus dem Hainich, dem größten geschlossenen Laubwaldgebiet in Deutschland. Da stehen Buchen, 200 Jahre alt, und wie alle Bäume streben sie zur Sonne. Mit ihrem dichten Blätterdach nehmen sie allen am Waldboden wachsenden Pflanzen das Licht und verhindern deren Großwerden. Da unten wachsen Buchenschößlingen, klein und unscheinbar und die warten auf ihre einzige Chance groß zu werden und sie warten und warten. Und dann kommt ein Herbststurm und die alte Buche, die 200jährige, wird umgeworfen und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen auf den die Schößlinge gewartet haben, nun bekommen sie Licht und Sonne und sie können wachsen, bis einer dieser nachwachsenden Bäumen alle anderen wieder Licht und Sonne nehmen wird.

Dies ist die Situation der SPD-Frechen. Die Alten sitzen auf den Posten, besetzen den Vordergrund nehmen jedem Nachwuchs Licht und Entwicklungsmöglichkeiten und erklären dann, dass es ja keinen profilierten politischen Nachwuchs vor Ort gäbe.

Im Gegensatz zum Hainich kann eine Partei aber nicht warten, bis die Alten dahingerafft werden. Politischer Nachwuchs will gepflegt werden und man muss ihm Platz zur Entfaltung einräumen.

Die alte Garde der Revolution sollte die Signale nun endlich gehört haben und bei nächster Gelegenheit von sich aus auf Posten, Ämter und Funktionen verzichten, nur dann kann von unten etwas nachkommen.

Andernfalls wird die SPD-Rentnertruppe die nächsten Jahre politisch verwalten und die CDU wird ohne jede Mühe auch die Wahlen 2020 gewinnen.

Aber vielleicht ist das ja auch der Plan: Nach uns die Sintflut.





travelfox42, Dienstag, 16. Mai 2017, 10:51
Von der SPD zum Hainich. Was für eine Assoziationskette. Respekt. :-)

Vielleicht liegt es aber nicht nur an der SPD, sondern an der (Nicht-)Arbeit der alten Landesregierung, inkl. dem Komplettausfall des grün verwalteten Schulministeriums. Denn es ging ja, mit Verlaub, nicht um den Rhein-Erft-Kreis, sondern um Landesthemen.


antoine favier, Dienstag, 16. Mai 2017, 11:01
Richtig, aber es gibt Kandidaten und Kandidatinnen, die trotz Landestrend besser abschneiden als andere. Das kann dann mit lokalen "Konjunkturen" zusammen hängen.

Und ja, nicht nur die Gedanken, auch die Assoziationen sind frei.

5 uhr-teefix, Dienstag, 16. Mai 2017, 16:20
Für die Differenz zwischen dem Wahlkreis Rhein-Erft 2 und den anderen beiden Wahlkreisen gibt es eine ganz einfache Erklärung:
Während in den Wahlkreisen Rhein-Erft 1 und 3 die AFD jeweils einen Direktkandidaten aufgestellt hatte, gab es im Wahlkreis 2 keinen Direktkandidaten der AFD. Diese Erststimmen, die in den anderen Wahlkreisen an die AFD gingen, gingen also hier im Wahlkreis 2 an die CDU.
Daher kommt diese Differenz zustande, die natürlich auf den ersten Blick natürlich sehr auffällig ist.


antoine favier, Dienstag, 16. Mai 2017, 16:43
Das wäre zu einfach. Die AfD-Wähler sind laut Wählerwanderung nicht Fleisch vom Fleische der CDU und eine einfache Stimmenübertragung, die besagt, die AFD-Wählerinnen und Wähler würde bei der Erststimme automatisch den CDU-Kandidaten wählen, wenn kein eigener Kandidat antritt, passt nicht:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/waehlerwanderung-nrw-landtagswahl-cdu-spd-fdp
Verschärfend kommt hinzu, dass die CDU viele potentielle AfD-Wähler mit ihrem Sicherheitsdiskurs der letzten Wochen wieder eingefangen hat. Wer trotzdem bei der AfD geblieben ist, ist nicht zwingend ein Erststimmen-CDU-Wähler.

10% der AfD-Stimmen kamen zudem von der SPD. Wer sagt, dass diese bei der Erststimme nicht doch SPD gewählt haben?


frechener jung, Mittwoch, 17. Mai 2017, 19:30
Das kann ich so nicht bestätigen als Wahlhelfer. Es waren sehr wenige Stimmen für Frank Rock mit Zweitstimme AfD da. Sollte das nicht nur bei mir gegolten haben, stimmt diese These mit der AfD partout einfach nicht.

Wer krass schlechter abschneidet als der SPD-Landesdurchschnitt, sollte sich ehrlich Fragen, ob es nicht an ihm selbst gelegen habe. Das war bei Guido van den Berg schon deshalb anders, weil er in Bedburg deutlich seine Heimatstadt erobert hat. Selbst Dagmar Andres war deutlich besser.

antoine favier, Mittwoch, 17. Mai 2017, 09:50
So, ich hatte etwas Zeit nochmals über das AFD-Argument nachzudenken. Das könnte ja funktionieren, wenn der Rock ins AFD-Beuteschema passen würde, aber ein sehr liberal auftretender, so zu sagen durchgemerkelter CDU-Kandidat und der soll derjenige sein, der von den AfD-Zweitsstimmen profitierte?
Ebenso zu bedenken:die Anzahl der ungültigen Stimmen ist bei der Erststimme signifikant höher als bei der Zweitstimme (300 Ungültige mehr) - auch da könnte man AfD-Wähler vermuten.
Viel gravierender: der Stimmentransfer Grün zu SPD bei der Erststimme hat kaum stattgefunden. Wenn die grünen auf ihre StammwählerInnenschaft reduziert sind, so kann die braunkohlellastige Erft-SPD aus dieser Ecke kaum noch mit Unterstützung rechnen.
Und dann ein Blick auf die Linken, die haben sowohl ihr Zweit- als auch ihr Erststimmenergebnis substantiell verbessert, bei der ERststimme lag der Linke sogar 0,7% besser als bei der Zweitstimme. Hier fand keinerlei Stimmentransfer hin zur SPD-Direktkandidatin statt.

Da wird mit der AfD ein Schuldiger präsentiert, der von der Schwäche der eigenen Kandidatin ablenkt. Wie steht es so schön in der Presse "schwächelnde Kandidatin".

andreaszechspd, Mittwoch, 17. Mai 2017, 15:56
Kleine Korrektur: In Frechen war die Diffenrenz nicht 7,77 Prozent zu Frank Rock, sondern (nur) 7.75 Prozent :-) Nachzulesen inkl. Grafiken unter

https://blog.andreaszechspd.de/katerstimmung-20170515

Was müssen wir machen?

Damit Du, unser Wähler, Deine Stimme wieder uns gibst, um zu gewinnen.

Schreibe mir doch bitte dazu Deine Meinung auf meinen Blog.

Andreas Zech
Mitglied im Vorstand der SPD Frechen

5 uhr-teefix, Mittwoch, 17. Mai 2017, 16:31
Wie auch immer sich die AFD- Wähler bei der Erststimme entschieden haben mögen, es liegt nahe, dass davon die CDU in erster Linie profitiert haben wird. Natürlich nicht zu hundert Prozent, das ist klar, aber der Faktor AFD gehört dann schon mit in eine Wahlanalyse rein. Ihr Fehlen in Wahlbezirk 2 macht deutlich, dass die Wahlkreise im Rhein-Erft-Kreis nur schwer miteinander vergleichbar sind. In dem Artikel wurde dieser Aspekt aber nicht berücksichtigt.
Was die Stimmen der Linken betrifft war da nach den Aussagen von Hannelore Kraft in der letzten Woche mit zu rechnen.
Die Schwächen der eigenen Kandidatin möchte ich gar nicht in Abrede stellen, und es geht auch nicht darum, die hausgemachten Fehler der SPD beschönigen zu wollen. Wenn die drei Wahlkreise aber schon miteinander verglichen werden, dann sollte man auch zur Kenntnis nehmen, dass die Ausgangsbedingungen im Wahlkreis 2 anders waren als in den Wahlkreisen 1 und 3.


antoine favier, Donnerstag, 18. Mai 2017, 08:07
Nur, wenn man der AfD eine zu große Bedeutung beimisst.
Wenn man sich bspw. die Wahlergebnisse in Pulheim anschaut, da gab es die AfD in beiden Wahlgängen, die CDU-Kandidatin hat trotzdem über 7% mehr Erst- als Zweitstimmen geholt, die AfD aber nur 2,5% abgegeben.

Unsere Nachbarstadt Kerpen ist noch viel amüsanter. Obwohl es keinen AfD-Direktkandidaten gab, weist das Wahlergebnis 1,27% Erststimmen für die AfD aus. Das belegt beispielhaft, dass AfD-Wähler nicht so einfach als potentielle CDU-Wähler betrachtet werden können.

M.E. verbaut man sich jede vernünftige Analyse des eigenen Scheiterns, wenn man sich des Hilfsarguments AfD bedient.

Und nur mal ein Hinweis: Röck hat in seiner Heimatgemeinde Hürth 13.4% mehr Erst- als Zweitstimmen geholt. Heimvorteil sauber genutzt. Man kennt ihn und man scheint ihm etwas zuzutrauen.
Und hat DMoch ihren Heimvorteil genutzt? Ein plus von gerade mal 4%. Ist es arg frech, zu sagen man kennt sie und man traut ihr wenig zu?

Das hat nichts mit der AfD zu tun, das hat mit der Kandidatin und der lokalen SPD zu tun.
Ein Treppenwitz am Rande: der Abstand bei den Erststimmen ist in Kerpen geringer als in Frechen.

Wer nicht einmal in seiner Heimatgemeinde überzeugen kann, hat im Gesamtwahlkreis keine Chance.