Am 11.Juni 2014 stellte der Planungsbeirat Grube Carl die Ergebnisse seiner Arbeit der vergangenen beiden Jahre vor. Es geht um die bauliche Entwicklung der Planzellen 5 und 6 – also der Baufelder links und rechts des Grefrather Wegs.

Die Stimmung der zahlreichen Besucherinnen und Besucher war mehr als angespannt, wie die Presse damals zu berichten wusste:
"Stattdessen tritt der Frust zutage, den vor allem das Ausbleiben der früher versprochenen Verlängerungen des Freiheitsrings und der Linie 7 in den Stadtteil hinterlassen hat. Verstärkt wird die Wut durch die Verkehrsprobleme, auch wenn sie mancher als „subjektive Empfindung“ abtut."
Falls nun aber irgendjemand geglaubt haben sollte, dass diese Rückmeldung der EinwohnerInnen des Stadtteils ein neues Nachdenken bei den politisch Verantwortlichen ausgelöst hätte, so wäre das als ein Zeichen kindlicher Naivität zu werten.

Die Planungen für den Stadtteil Grube Carl laufen weiter, als hätte es diese Veranstaltung nie gegeben. Laut den Ausführungen des zweiten Beigeordneten der Stadt Frechen, Herrn Uttecht, in einer der letzten Schulausschusssitzungen, verhandelt die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) mit der RWE über den Kauf der Grundstücke für die Baufelder 5 und 6 (links und rechts des Grefrather Wegs). Die SEG muss sich, um die Grundstücke kaufen zu können, Geld leihen, was sie akut sicherlich nicht übermäßig teuer kommt. Trotzdem gilt: bei einem Darlehen entstehen Zinsaufwände und irgendwann müssen das Darlehen getilgt werden. Daraus resultiert: sobald die SEG im Besitz der Grundstücke ist, wird in einem sehr überschaubaren Zeitraum die Baureife der Baufelder hergestellt werden und die Vermarktung erfolgen. Wir müssen also in den kommenden Jahren (2 bis 3) damit rechnen, dass die ersten Bautätigkeiten beginnen.

Aus der Bautätigkeit resultiert ein Zuzug von Familien und damit, alle Frechener Neubaumaßnahmen künden davon, ein schneller Anstieg von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter. Bisher jedoch plant die Stadt die Lindenschule weiterhin nur 2,5 zügig, obwohl der Schulentwicklungsplan für die kommenden Jahre eine voll ausgelastete Lindenschule erwarten lässt – schon ohne Erschließung weiterer Baufelder.

Spätestens dann wird deutlich werden, was in der Bürgerversammlung vielfach kritisiert worden ist:
die Verkehrsbelastung der Wohnstraßen ist heute schon grenzwertig und wird weiter zunehmen; Parkraum ist heute schon mehr als knapp, das wird nicht besser werden durch die weitere Bebauung. Die ÖPNV-Anbindung des Stadtteils ist derart, dass ein freiwilliger Verzicht auf die Autonutzung nicht möglich ist.
Zudem steht die Befürchtung im Raum, dass das erhöhte Verkehrsaufkommen zu den neuen Baufeldern ausschließlich über die Straßen Zum Bellerhammer und Danziger Straße abgewickelt werden soll.

In den Erläuterungen zum Flächennutzungsplan wurde zwar noch formuliert, man wolle die
„Entwicklung eines dezentralen Verkehrsstraßennetzes, das nicht durch die Wohnbauflächen hindurchführt, sondern alle Wohnbauflächen vom Rande her erschließt, so dass Beeinträchtigungen der Wohnbauflächen durch Verkehrslärm und Abgase auf ein Minimum herabgesetzt werden und die Wohngebiete selbst nur vom Individualverkehr berührt werden, der in diesen Flächen Quelle und Ziel hat.“
Die aktuelle Verkehrsführung widerspricht dieser Planungsvorgabe und eine Änderung ist nicht absehbar. Folgeprobleme, wie sie in der Bürgerversammlung vielfältig angesprochen wurden, werden einfach negiert.
Die bisherige Planung auf Grube Carl ist so angelegt, dass der Autoverkehr die Wohnstraßen vermehrt belastet und der Bau des verlängerten Freiheitsringes ab einer gewissen Anzahl an Fahrzeugbewegungen zum Sachzwang wird. Der Bau des verlängerten Freiheitsringes ist aber politisch äußerst umstritten, und es ist zu vermuten, dass er vermehrt Durchgangsverkehr anziehen würde.

Um verstehen zu können, woran es im Stadtteil bei der Verkehrsführung hakt und warum diese grundsätzlich überplant werden sollte, zunächst ein Blick auf das aktuelle und zu erwartende Verkehrsaufkommen. Dazu hatte die Stadt im Jahre 2011 eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben.
Bei der Betrachtung der einzelnen Szenarien in diesem Gutachten wird sichtbar, dass die Autos nur via Danziger Straße und der Straße Zum Bellerhammer die einzige Zufahrtsstraße „Zur Grube Carl“ erreichen können. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass beide Straßen statt bisher 1.700 bzw. 1.300 zukünftig bis zu 3.400 resp. 4.300 Fahrbewegungen pro Tag verkraften sollen.
„Wird das Gebiet Grube Carl nur über eine Erschließungsstraße angebunden, wird ein Mehrverkehr von rund 6.000 Fahrten am Tag zu erwarten sein.“ (1)
Ebenso wird in dem Gutachten ausgeführt, dass der Kreisverkehr Dürener Straße / Grube Carl seine Kapazitätsgrenze erst erreichen wird, wenn die Planzellen 9 und 10 bebaut sind. (Planfall 3 des Gutachtens). “
„ In den Fällen mit der einzigen Erschließung über die Straße Zur Grube Carl wir die Dürener Straße im Abschnitt zwischen Zur Grube Carl und dem neuen Knoten Neuer Weg mit bis zu 22.300 Kfz DTV (vergl. P3.2) belastet. Damit wird die Auslastungsgrenze einer zweispurigen Straße, die bei rund 23.000 Kfz / DTV anzusiedeln ist, fast erreicht.““
Das heißt, der neue Knotenpunkt Dürener Straße / Zur Grube Carl wäre in der Lage, den gesamten zusätzlichen Verkehr aufzunehmen, ohne dass der verlängerte Freiheitsring gebaut werden müsste.
Mit einer wesentlichen Einschränkung allerdings: Wenn dieser zusätzliche Verkehr, wie bisher geplant, ausschließlich durch die bestehenden Wohnstraßen fließen soll, dann wird das Verkehrschaos im Stadtteil bald die Argumente dafür liefern, den verlängerten Freiheitsring unausweichlich erscheinen zu lassen, denn die Abbindung der Rosmarstraße steht ja auch noch im Raum.

Die Wohnqualität der Anwohner/innen spielt in dem Gutachten keine Rolle, ebenso wenig in der Debatte bezüglich der Weiterentwicklung des Stadtteils. Das zentrales Kriterium scheint einzig die Aufnahmefähigkeit der Straßen an Fahrzeugen. Wie der Verkehr innerhalb des Stadtteils fließt, bzw. nicht fließt wurde nicht reflektiert.

So weit, so schlecht – vor 3 Jahren hat die BI Grube Carl deshalb die Idee entwickelt, dass der Stadtteil ein neues Verkehrskonzept benötigt. Inzwischen ist deutlich erkennbar, dass dies im Rahmen der aktuellen Planung kaum möglich erscheint. Der Vertreter der BI hat aus diesem Grunde auch vor wenigen Wochen seine Rücktritt aus dem Planungsbeirat erklärt.
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, dass die Planung des Wohngebiets grundsätzlich überdacht werden muss, da die zur Jahrtausendwende aufgestellten Prämissen der Stadtteilplanung, beispielhaft erwähnt sei nur die Idee, auf Grube Carl solle ein „Stadtteil der kurzen Wege“ entstehen, alle nicht mehr gelten.

Daneben gibt es aber auch ein weiteres Set an Gründen aus den Bereichen Klimaschutz und Ökologie weswegen über eine veränderte Planung nachgedacht werden muss.
So kommt eine städtebauliche Konzeptplanung aus dem Jahre 1997 im Kapitel Freiraum- und Grünstruktur zu dem Ergebnis, dass
„ für die Kaltluftbildung und den Kaltluftabfluss den Flächen im Hangbereich des Ville – Osthanges ein hoher Stellenwert zukommt.“
„Besondere Bedeutung für das Landschaftsbild und die Erholung haben die prägenden Gehölzbestände und das in Teilen ausgeprägte Relief. Umgebende Wälder, Halden, Rosmarpark und die nord-westlich anschließenden Freiräume haben wegen ihrer Unzerschnittenheit von Straßen und der deshalb fehlenden Lärmbelästigung bei gleichzeitiger hochwertiger Landschaftsausstattung einen hohen Wert für die Erholung und ggf. als Wohnumfeld.“(2)
Der Erhalt der Grünzone im Bereich des Ville-Osthanges erscheint aus ökologischen und klimatischen Gesichtspunkten als besonders wichtig, denn er
„trägt zur Belüftung der unterhalb liegenden, stärker von Luftschadstoffen belasteten Stadtteile bei.“
Mit anderen Worten: ohne die Frischluftzufuhr von der Villehöhe herab, wird sich die Luftqualität in der Frechener Innenstadt verschlechtern. (Dazu aktuell in der Süddeutschen) Dieses Problem betrifft nun weniger die BewohnerInnen des neuen Stadtteils, dieses Problem trifft die Frechener Kernstadt.
Eine Teilantwort auf diese verschiedenen Problemlagen hat die BI Grube Carl vor 2 Jahren entwickelt, woraus dann die konkrete Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ hervorging.

Die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ reagiert auf verschiedene Problemlagen:

1. Die Frechener Kernstadt verfügt nur über wenige naturnahe Erholungsräume. Diese liegen alle am westlichen Rand der Kernstadt: der Rosmarpark und der Grünzug zwischen der alten Wohnbebauung und den Gewerbeflächen der Quarzsandgrube.
2. Wird ein Teil der ursprünglich für die Bebauung vorgesehenen Fläche eine Parkfläche umgewandelt, so reduziert sich damit automatisch die Verkehrsbelastung, ebenso wird die bestehende Infrastruktur (Schulen / Kinderbetreuung) entlastet.
3. Die landschaftlich schönsten Flächen sind die Ville-Hanglagen, die bei guten Wetterbedingungen einen Blick weit ins Bergische und ins Siebengebirge erlauben. Diese Hanglagen sollen bebaut werden. Das hat aber negative Folgen für die die Luftqualität in der Innenstadt, denn bei den vorherrschenden Westwinden wird die Bebauung der Hanglagen zu einer Verschlechterung der Belüftung der Innenstadt führen.
4. Eine Bebauung dieser Flächen wird eine der landschaftlich schönsten städtischen Erholungsflächen im Nahbereich der Frechener Kernstadt zerstören.
5. Der Rosmarpark ist ein kleiner, überschaubarer Park. Er scheint jedoch zu klein, um als innerstädtische Naherholungsfläche breit akzeptiert zu werden. Die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ nimmt diese doch begrenzte Akzeptanz des bestehenden Parks auf, indem die Parkfläche nach Norden hin auf der anderen Seite der Rosmarstraße erweitert werden soll. Ein größerer Park bietet einen deutlich höheren Erholungswert. Die Frechener Bevölkerung wird den vergrößerten und dann hoffentlich gepflegten Park sicherlich gerne annehmen.
6. Grundsätzlich ist die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ räumlich ausbaufähig:
a. Nach Norden: möglich ist der Ausbau eines Grüngürtels entlang der Villehöhe (parallel zu den industriell genutzten Flächen der Quarzwerke) und oberhalb Buschbells. Wird die A4 gequert, so ergäbe sich ein geschlossener Erholungsraum von Königsdorf bis Benzelrath.
b. Nach Südwesten: In diese Richtung ist über die geschützten Flächen zwischen Sandstraße und Dürener Straße eine Erweiterung bis zum Kreisverkehr Dürener Straße / Grube Carl denkbar. Ab dem Kreisverkehr ist der Zugang in die Renaturierungsflächen und damit konzeptionell bis ins Marienfeld vorstellbar.

Die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ wurde 2013/2014 an die grüne Stadtratsfraktion herangetragen und im Rahmen einer Ortsbegehung vorgeführt. Ursprünglich sollte „EIN PARK FÜR FRECHEN“ Teil des grünen Kommunalwahlprogramms werden. In den innerparteilichen Diskussionen wurde der konkrete Vorschlag dann ins Allgemeine verschoben:
"Der Stadtteil Grube Carl ist nur ein Beispiel für diese planlose Siedlungspolitik, bei der von Seiten der Stadt und der Investoren viel versprochen und wenig gehalten wurde.
Wir Grünen stehen für eine Stadtentwicklung, die auf attraktive Zentren und Wohngebiete setzt und einer flächenzerstörenden Siedlungspolitik den Riegel vorschiebt. Baulücken sollen geschlossen werden. Wir wollen mehr Leben in der Innenstadt und den Zentren der einzelnen Stadtteile und daher dort das Wohnen und eine mittelständische Einzelhandelsstruktur fördern."
Von den drei damals an der Ortsbegehung Beteiligten hat einer, H.-P. Schumacher, die Grünen noch vor den Kommunalwahlen im Streit verlassen. Er hospitiert jetzt bei der FDP-Fraktion. Ein weiterer, J.Weidemann, hat sich im Widerstand gegen die Jamaika-Koalition verschlissen. Er hat die Fraktion zusammen mit S.Neumann verlassen. Beide haben sich der SPD-Fraktion angeschlossen.

Vor diesem Hintergrund und den bisherigen Erfahrungen mit der lokalen schwarz-grünen Politik ist klar, dass die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ bei den Grünen keine weitere Rolle mehr spielt. Jamaika hat bisher auch nicht erkennen lassen, dass an den Plänen für Grube Carl auch nur ein Jota verändert werden soll.

Im Rahmen des laufenden Bürgermeisterwahlkampfs war von einigen engagierten Sozialdemokraten versucht worden, den BM-Kandidaten der SPD Ferdi Huck für die Idee „EIN PARK FÜR FRECHEN“ zu begeistern. Doch F. Huck wünscht keine Änderung an den bisherigen Plänen für die Grube Carl. Ferdi Huck bleibt Bob der Baumeister.

Aber wer weiß, möglicherweise macht die Idee ja andernorts noch ihren Weg und findet Eingang in eine Neukonzeptionierung des Ausbaus des Stadtteils Grube Carl. Vielleicht fühlen sich unsere BürgermeisterkandidatInnen ja doch noch aufgerufen, sich zum „EIN PARK FÜR FRECHEN“ zu äußern. Wer auf Grube Carl zur Bürgermeisterin / zum Bürgermeister gewählt werden will, der- oder diejenige sollte mit konkreten Vorschlägen zu den bestehenden und zu erwartenden Problemen hervortreten.
Aussitzen und Totschweigen ist keine Option!




(2) Städtebauliche Konzeption Frechen Benzelrath, Schaller Architekten BDA Köln 27.02.1997.
(1) Fortschreibung Verkehrsuntersuchung Frechen Grube Carl Juli 2011.