Thema: Grube Carl
Aktuell werden zwei eng zusammenhängende Themen die den Verkehr im Stadtteil Grube Carl betreffen, behandelt.
Die Stadtverwaltung scheint einer inhaltlichen Auseinandersetzung aus dem Wege gehen zu wollen.

Im Rahmen der Baumaßnahmen am Kreisverkehr Neuer Weg / Dürener Straße hat sich gezeigt, dass der Weg über die Straßen „Grube Carl“, „Zum Bellerhammer“ und Rosmarstraße zur beliebten aber nicht offiziell ausgeschilderten Umleitung wurde. Man hat nicht darüber geredet, aber man hat alles getan, um Umfahrungen der Baustelle zu ermöglichen. So hat man auch die erst vergangenes Jahr abgebundene Verbindung über die Sand- und die von Klespe-Straße zur Grube Carl hinauf wieder geöffnet.
Die BI Grube Carl hat dagegen protestiert und die Öffnung der von Klespe-Straße zum Anlass genommen, auf die negativen Folgen der Schleichverkehre hinzuweisen und ein umfassendes Verkerhskonzept für den gesamten Stadtteil einzufordern.

Ein in dieser Sache eingereichter Bürgerantrag führte nun zu recht überraschenden Fehlwahrnehmungen. Im Wortlaut die Ausführungen der Stadtverwaltung zum Verkehrsaufkommen für die zentrale Durchfahrtsstraße „Zum Bellerhammer“
In Vorbereitung der Baustelle wurde mit Unterstützung des Rhein-Erft-Kreises eine Verkehrserfassung in der Straße Zum Bellerhammer in Frechen durchgeführt. Dabei wurden Geschwindigkeitsmessungen und die Verkehrsbelastung in beide Richtungen gemessen.
Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die Verkehrsbelastung mit rund 702 Kfz/24h (beide Fahrtrichtungen) für eine Gemeindestraße im unteren Bereich liegt.
Die Bürgerinitiative erklärte nun in einem Schreiben:
1. Die Verkehrserfassung erfolgte aufgrund mehrfacher Intervention der BI Grube Carl (inklusive einer Beschwerde beim Kreis), mit dem Ziel die Nichteinhaltung von Tempo 30 in der Straße belegt zu sehen.
2. Die Verkehrserfassung erfolgte zwischen dem 21. und 28. September 2009! Zu diesem Zeitpunkt waren weder die Straße Zum Bellerhammer noch die Straße Am Rinnenfeld voll erschlossen. Alleine aus diesem Grund können die Zahlen nicht dazu herangezogen werden, die aktuelle Verkehrsbelastung zu beschreiben.
3. Im Jahr 2011 wurde dem Stadtrat das offizielle Verkehrsgutachten für den Stadtteil Grube Carl präsentiert. Als Grundlage dienten „vorliegende aktuelle Verkehrserhebungen“ aus dem Jahr 2010. Für das Jahr 2010 wurde eine Verkehrsbelastung von 1.300 Bewegungen in der Straße „Zum Bellerhammer“ ausgewiesen.
Die Bürgerinitiative bitten nun
um eine nachvollziehbare Begründung, warum dem Ausschuss für Bau- und Verkehrsangelegenheiten nachweisbar veraltetes Zahlenmaterial vorgelegt wird und der Erhebungszeitraum nicht ausgewiesen ist.
Was bewegt die Stadtverwaltung, veraltetes Material heranzuziehen?

Ebenso unergiebig die Aussagen der Stadtverwaltung zu einer Anfrage der Grünen.
Diese fordern, zum Ende der für 2013 / 2014 geplanten Kanalsanierungsmaßnahmen die Rosmarstraße abzubinden, womit ein ganz altes Versprechen eingelöst würde und zugleich der Stadtteil Grube Carl vom Durchgangsverkehr entlastet würde.

Erstaunlich die Reaktion der Stadt:
Bei einer fachlichen Prüfung, ob eine Sperrung eingerichtet werden kann, ist jedoch die momentane Situation durch die Maßnahme Neuer Weg / Dürener Straße und die geplante Maßnahme der Straßen- und Kanalsanierung Rosmarstraße zu betrachten.
Stimmt, entsprechend ist der Antrag der Grünen ja bereits formuliert:
Die Verwaltung wird beauftragt, die Rosmarstraße nach Abschluss der Kanalsanierungsmaßnahmen für den motorisierten Individualverkehr abzubinden.
Also: der Antrag reflektiert die aktuellen Notwendigkeiten.
Und die Stadtverwaltung? Tut so als würden die Grünen die sofortige Sperrung der Straße fordern und da gibt es natürlich gewichtige Gründe gegen:
Durch die noch andauernde Großbaumaßnahme Neuer Weg ist es dringend erforderlich die Rosmarstraße als zusätzliche Erschließung für den Stadtteil Grube Carl offen zu halten. Gleiches gilt auch für die Zeit der Straßen- und Kanalsanierung Rosmarstraße, um während der Bauphase je nach Baufortschritt eine beidseitige Anfahrbarkeit zu gewährleisten. Aus straßenbautechnischer und verkehrstechnischer Sicht kann einer Sperrung der Rosmarstraße zum jetzigen Zeitpunkt …. nicht zugestimmt werden.
Also wird abgelehnt, was die Grünen auch gar nicht gefordert haben.

Und nun zu den obigen Pünktchen ...: so lautet der letzte Satz in seiner vollen Schönheit:
Aus straßenbautechnischer und verkehrstechnischer Sicht kann einer Sperrung der Rosmarstraße zum jetzigen Zeitpunkt bzw. mittelfristig nicht zugestimmt werden.
Mit anderen Worten: hier wird ein sachlich falscher Zusammenhang behauptet: die sofortige Schließung, die niemand gefordert hat, um dann in einer kleinen Erweiterung auch „mittelfristig“ die Sperrung der Straße abzulehnen.

So wird also Politik gemacht.





travelfox42, Dienstag, 9. Juli 2013, 08:17
Die Rosmarstr. ist eine Katastrophe. Aber sie abzubinden ist auch keine rechte Lösung. Zunächst mal sollte die schon ewig diskutierte Verlängerung des Freiheitsrings in Angriff genommen werden, oder stehen da etwa Anwohnerinteressen im Weg? Interessant, konnte man doch schon damals beim Bauen wissen, dass die Verlängerung geplant war. Dann wäre es nur folgerichtig, das jetzt auch durchzusetzen. Grube Carl braucht zwei Anbindungen, auf Dauer reicht die Str. "Zur Grube Carl" nicht aus.

Meine Schwiegereltern wohnten in der alten Siedlung auf Grube Carl. Damals gab es dort nur die Brikettfabrik und keine tausende neuen Häuser. Die Anbindung über die Rosmarstr. reichte völlig. Nachdem nun offenbar dort auch das letzte Stückchen Land planlos zugebaut wird, die versprochene Straßenbahn aus technischen Gründen (?) doch nicht kommt und auch der Bus sich ständig durch die Rosmarstr. quält und doch nicht oft genug fährt, soll jetzt noch die Rosmarstr. abgebunden werden?

Wenig sinnvoll, zumal auch das Harlekin-Theater (wo ich mindestens einmal die Woche hin muss) hier liegt und man (je nachdem, wo man wohnt und wo die Abbindung geplant ist) riesige Umwege fahren müsste. Vielmehr sollte Frechen sich endlich mal daran machen, diese Straße zu sanieren.

Ein Verkehrskonzept täte Frechen gut. Die Dürener Str. zwischen neuer Weg und Rosmarstr. ist schlimm! Oder schon mal versucht, vom Fresh Open kommend aus der Burgstr. nach links auf die Franzstr. zu fahren? Gerade nachmittag ziemlich unmöglich, was immer wieder zu sinnlosen Staus führt. Und dann kommt noch ein Bus... Es gäbe viele Ecken in der Stadt zu entschärfen, zu erweitern oder zu sanieren. Die Abbindung der Rosmrstr. gehört sicherlich nicht dazu.


antoine favier, Dienstag, 9. Juli 2013, 11:37
Hierzu ein Hinweis:
Die Situation aus Sicht der BI Grube Carl.

http://bi-grube-carl.bplaced.net/verkehrsprobleme:freiheitsring_und_rosmarstrasse_pff

Es stellt sich möglicherweise die grundsätzliche Frage, ob die geplanten Ausbaustufen vor dem Hintergrund der schwierigen verkehrlichen Situation überhaupt sinnvoll umsetzbar sind.
Ganz ursprünglich sollte eine Erschließung des Gebiets alleine über die Straße Grube Carl erfolgen. Die Option Freiheitsring kam erst um 2002 ins Spiel.

Es stellt sich aber bei allen Verkehrskonzepten die Frage, wie die jeweils berechtigten Interessen zu gewichten sind. Damit ist gemeint: Anwohner, Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer haben vermutlich unterschiedliche Ansprüche an ein Verkehrskonzept. Den AnwohnerInnen der Rosmarstraße wurde im Zusammenhang mit der Erschließung die Abbindung der Rosmarstraße zugesagt und dies zu einem Zeitpunkt, als noch kein Mensch an die Verlängerung des Freiheitsrings dachte. Inzwischen scheinen die Interessen der AutofahrerInnen ein deutliches Übergewicht gegenüber anderen Interessen gewonnen zu haben.
Auch die Verlängerung des Freiheitsringes entspräche dieser Logik, denn was gerne übersehen wird: die Verlängerung wird Durchgangsverkehr produzieren, da die schnellste Verbindung zwischen Dürener Straße (von Horrem kommend) und Freiheitsring direkt über die Grube Carl verlaufen würde.
Nachdem aber hierfür aktuell kein Geld zur Verfügung steht, wird mittelfristig auch nichts passieren.

Ein Verkehrskonzept muss jedoch allen berechtigten Interessen einigermaßen gerecht werden. Wenn man nun aber feststellen sollte, dass die bisherigen Vorschläge irgendwie nicht funktionieren wollen, weil eben eine gerechte Lastenverteilung nicht erreicht wird, dann ist es höchste Zeit, die Gesamtkonzeption, also den geplanten Ausbau inklusive der verkehrlichen Erschließung auf den Prüfstand zu stellen.


travelfox42, Mittwoch, 10. Juli 2013, 09:35
Da muss ich leider widersprechen. Die Verlängerung der Freiheitsrings war schon in den 70er Jahren im Gespräch, das weiß ich von Gesprächen mit meinen Schwiegereltern (haben wir schon Ende der 90er diskutiert). Nicht umsonst wurde die Trasse seither freigehalten. Wer totzdem dort seinen Gartn hat, wusste, was auf ihn irgendwann mal zukommen könnte. Genauso lang wurde über die Verlängerung der Straßenbahnlinie 7 diskutiert, bis man darauf kam, dass die Steigung nach oben für die Straßenbahn zu groß ist.

Gerade gefunden, ein interessantes Dokument von 1980, auch hier schon die Verlängerung des Freiheitsrings "auf einer neuen Trasse": EL 277

Siehe: http://www.stadt-frechen.de/medien/bindata/stadtplanung/flaechennutzungsplan/Erlaeut.bericht_FNP_1980.pdf

Immer wieder "schön" finde ich das Vorgehen vieler Städte (und Frechen gehört dazu), einfach eine Unmenge von Grundstücken und Häusern zu erschließen ohne ein passendes Verkehrskonzept. Und dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, soll alles abgebunden, verkehrsberuhigt usw. werden.

Sicherlich sind die Anwohner der Rosmarstr. über alle Maßen mit Schleichverkehr belastet, aber die Ursache liegt m. E. in der planlosen Bebauung von Grube Carl, die anscheinend nie ein Ende findet und immer noch weiter geht. Es gibt kaum Einkaufsmöglichkeiten, es gibt keine Grundschule (obwohl mal versprochen), es gibt nur unzureichenden öffentlichen Nahverkehr, aber gebaut wird auf Teufel komm raus. Übrigens ein Grund, warum ich schon vor 8 Jahren, als ich auf der Suche nach einem Haus war, von Grube Carl sofort wieder Abstand genommen habe.

Wahrscheinlich gibt es kein Patentrezept, aber auch nach dem Studium des Briefwechsels bin ich der Meinung, dass die seit 40 Jahren geplante Verlängerung des Freiheitsrings die einzig sinnvolle Lösung ist. Und bitte dann bei der Abbindung der Rosmarstraße auch ans Harlekintheater denken...


antoine favier, Mittwoch, 10. Juli 2013, 12:06
Ich habe mir gerade die Erläuterungen zum alten Flächennutzungsplan angesehen:
Wir reden hier über zwei unterschiedliche Konzepte:
Ursprünglich sollte der Freiheitsring verlängert werden. Bis Habbelrath:
Der Freiheitsring soll in westlicher Richtung als EL 277 fortgeführt werden und auf einer neuen Trasse die Ortsteile Grefrath und Habbelrath direkt an den Tangentenring der Stadt anschließen.
Diese Idee ist ja wohl komplett untergegangen und wurde nicht weiterverfolgt.

In der Ursprungsplanung von 1997 (http://www.stadt-frechen.de/medien/bindata/stadtplanung/planungsbeirat_grube_carl/Schaller.pdf) wurde der Stadtteil als "Stadtteil der kurzen Wege" geplant. Eine Zufahrt via Freiheitsring war nicht mehr vorgesehen.

Inwieweit das Theater am Bahndamm eine Zufahrt via Grube Carl benötigt, erschließt sich mir nicht. Es ist von der Blindgasse kommend immer mit dem Auto anfahrbar.


antoine favier, Mittwoch, 10. Juli 2013, 15:29
So, nun komme ich zum 2. Teil der Antwort.
Die Rosmarstraße ist aktuell eine offizielle Zufahrt zum Stadtteil. Damit handelt es sich nicht um "Schleichverkehr" im Sinne bspw. einer Umfahrung einer Baustelle ausserhalb der ausgeschilderten Umleitung, wenn die BewohnerInnen des Stadtteils dort hin und her fahren.

Die Bebauung des Stadtteils ist nicht planlos, vielmehr handelt es sich um die Errichtung eines neuen Stadtteils mit bis zu 5.000 EinwohnerInnen und einer umfangreichen Planung.

Auffällig, und hier setzt die Kritik an, ist, dass bei der Ursprungsplanung bestimmte Prämissen zugrunde gelegt wurden (Stadtteil der kurzen Wege, d.h.: Grundschule, Einkauf, Linie 7 etc. vor Ort). Die Prämissen wurden über Bord geworfen, aber die Änderungen an den Ursprungsplanungen sind nur peripher. Wenn ich aber die Ursprungsprämissen komplett ändere, so kann es nicht sein, dass die sonstige Planung ohne grundlegende Änderungen durchgezogen wird.

Am leichtesten erkennbar ist es beim Thema Verkehr. Wenn nichts vor Ort ist, steigen viele Leute ins Auto. Also stimmen die ursprünglichen Verkerhsprognosen nicht. Also muss ich mir überlegen, wie die Leute in den Stadtteil kommen, oder den Stadtteil kleiner planen, damit die bisher geplanten Zufahrten ausreichen. Das Problem geht aber auch innerhalb des Stadtteils weiter: Je nach Lage der Zufahrten produziert das Fehlen der Infrastruktur auch hier zusätzlichen Verkehr. Man muss ja plötzlich von zu Hause zur jeweils nächst gelegenen Zufahrt usw. usf.
Vorzuwerfen ist der Planung, dass die Prämissen alle auf den Müll geworfen wurden, das Thema Erhöhung des Verkehrs aber stiefmütterlich behandelt worden ist.
Die Verlängerung des F. ist keine wirkliche Lösung, denn er erhöht den Verkehr innerhalb des Stadtteils, da er im Nordosten des Stadtteils liegt, die Zufahrt Grube Carl dafür im Südwesten. Das führt zu Durchgangsverkehr und zu langen Wegen innerhalb des Stadtteils. Sinnvoll wäre mglw. eine mittig den Stadtteil erschließende Zugangsstraße, mit strukturell kurzen Zugängen in die einzelnen Baufelder - bei gleichzeitiger Vermeidung von Durchgangsverkehren.

Mit anderen Worten - man hätte die Gesamtplanung aufbohren müssen und über Alternativlösungen nachdenken - und zwar ausserhalb der bisher schon ausgelatschten Pfaden wie bspw. des Freiheitsrings.