Thema: Umwelt
Zwei Informationen aus einer kleinen Nachricht des WDR, die der Frage nachging, ob das aktuelle Frühlingswetter „nur eine Wetterkapriole oder schon der Klimawandel“ sei. Die Antwort lautete, dies sei nicht mehr normal. So weit, so wenig überraschend. Wir scheinen uns an die nicht mehr normalen Wetterphänomene bereits gewöhnt zu haben, soweit sie uns einen frühen Frühling und viel Sonne verheißen. Nebenbei erklärte der WDR-Meteorologe Karsten Schwanke aber auch:
"In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ist es mit dem Wintersport im Sauerland vorbei",
und
Wie sich das Wetter grundsätzlich entwickelt, hängt wohl davon ab, in welchem Maße es der Menschheit gelingt, das Verbrennen fossiler Rohstoffe und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Liefe alles so weiter wie bisher, so Schwanke, müsste man um die nächste Jahrhundertwende auch in NRW mit einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von sechs bis sieben Grad rechnen.
Also: wenn unsere Politik, ganz egal, ob in der Kommune, im Land oder im Bund nichts tut, dann wird sich die Atmosphäre so aufheizen, dass in 30 Jahren, von heute an gerechnet also 2050, die kalten Winter endgültig Vergangenheit sind. Schwere Stürme, lange Phasen der Trockenheit und damit eine Landwirtschaft in der Dauerkrise, werden dann die neue Normalität sein, und nochmals 50 Jahre später, die heute frisch Geborenen können es noch alle erleben, soll die Durchschnittstemperatur 6 bis 7 Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Dagegen protestieren seit einigen Wochen, nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thurnberg auch in Deutschland Schülerinnen und Schüler und schwänzen dafür jeden Freitag die Schule.
Ihre Motivation ist so einfach wie einsichtig:
Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann. Doch unsere Politiker*innen unternehmen nichts, um die Klimakrise abzuwenden.
Und, sie haben ja Recht. Unsere Politiker*innen tun nichts. Zwar haben wir jetzt so etwas wie einen Kohlekompromiss, aber auf’s Ganze betrachtet, bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Und selbst dieser Tropfen ist unseren Politiker*innen noch zu groß. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart hat schon wieder den Rückwärtsgang eingelegt und will im rheinischen Revier weniger Kraftwerkskapazitäten stilllegen, als im Kohlekompromiss fixiert. Kann man ja machen, in seinem Alter. Er wird die Folgen seiner Politik nicht mehr erleben.

Der Protest der Kinder und Jugendlichen ist also mehr als berechtigt, aber sie sind sehr dünnhäutig, unsere Politiker*innen, wenn man ihnen Totalversagen vorwirft. Und das auch noch von der eigenen undankbaren Brut. Die eigenen Kinder erlauben sich eine eigene Meinung. Soweit ist es also schon mit den liberalen Erziehungsmethoden gekommen.

Also müssen jetzt die Daumenschrauben angezogen werden. Die Landesregierung pocht darauf, dass die Schulpflicht ein höheres Gut sei als das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ministerpräsident Laschet fände Demonstrationen außerhalb der Unterrichtszeit „glaubwürdiger“ ja geradezu ein „stärkeres Signal.
Also wurde den Schulen in NRW nun eine 'Dienstanweisung', nein halt, auf Nachfrage wurde aus der Dienstanweisung eine 'Schulmail' übermittelt, in der die Schulen aufgefordert werden, die Schulpflicht durchzusetzen. Im Falle hartnäckigen Schwänzens droht die „zwangsweise Zuführung“ zum Unterricht oder ein „Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Und weil das noch nicht reicht, werden die Kinder und Jugendlichen nun auch diffamiert und bedroht. Über die „starken Männer“, die in den sozialen Medien die Schwedin Greta Thunberg niedermachen, frei von Argumenten aber voller Hohn, Spott und Verschwörungstheorien, schweigen wir hier ganz still, über unsere Verschwörungstheoretikerin im Kanzleramt aber, die indirekt unterstellt, der böse Oberrusse Putin stecke hinter den Protesten ist zu reden:
Diese hybride Kriegsführung im Internet ist sehr schwer zu erkennen, weil sie plötzlich Bewegungen haben, von denen sie gedacht haben, dass die nie auftreten – die immer ansetzen an einem Manko. In Deutschland protestieren jetzt die Kinder für Klimaschutz. Das ist ein wirklich wichtiges Anliegen. Aber dass plötzlich alle deutschen Kinder – nach Jahren ohne sozusagen jeden äußeren Einfluss – auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss, das kann man sich auch nicht vorstellen. Also Kampagnen können heute übers Internet viel einfacher gemacht werden und wir haben andere Kampagnen, ich will da nicht ins Detail gehen. Und wir haben auch andere Gruppen, ich will da durchaus Steve Bannon nennen, die nicht das europäische Modell im Sinn haben. Und dagegen müssen wir uns gemeinsam wehren.
So also sieht die Bundeskanzlerin die protestierenden Jugendlichen. Wäre es nicht despektierlich, so müsste die Frage erlaubt sein, was Frau Merkel vor dieser Veranstaltung geraucht habe. Oder, um mit Biermösl Blasn zu sprechen, Da Russ da kommt …. Das Schlimme daran aber ist, in den sozialen Medien werden solche Aussagen für wahr gehalten. Und sie finden Einzug in den Alltagsdiskurs.
Diffamieren und kriminalisieren, hier in NRW kennt man das Vorgehen. Mit dieser Politik versucht die Landesregierung seit längerem, das Thema Waldbesetzung im Hambacher Forst in den Griff zu bekommen. Die Waldbesetzer sind internationale (schlimm, kommen aus der Fremde) Chaoten (noch schlimmer, Chaoten machen Autos kaputt), die sich nicht an deutsches Recht und die deutsche Ordnung halten (ganz ganz schlimm, bauen Baumhäuser ohne Baugenehmigung). Die guten deutschen Umweltschützer*innen soll sich, so der Aachener Polizeipräsident im Interview im heutigen Kölner Stadtanzeiger, von diesen Kriminellen distanzieren und die Polizei über deren Verhalten „informieren“. Früher sprach man von Denunziation … aber es gäbe auch ein Zückerchen vom Polizeipräsidenten, die guten deutschen Umweltschützer*innen dürften dann „Dauermahnwachen“ im Wald errichten.

Man sieht den gleichen Geist, das gleiche Vorgehen. Umweltschützer*innen werden erst diffamiert, dann kriminalisiert. Und nachdem es bei den Demonstrationen der Schüler*innen bisher so „furchtbar“ friedlich geblieben ist, beschränkt sich die Politik derzeit noch auf’s Diffamieren und die Androhung des Einsatzes der staatlichen Gewaltmittel.

Eigentlich kann es darauf nur eine angemessene Antwort geben. Noch mehr Schulstreik.

Denn die Politik hat in diesem Punkt total versagt und sie versagt weiter. Und dies nicht erst seit einigen Jahren sondern inzwischen seit mindestens 40 Jahren. Am 12. Februar 1979 tagte die erste Welt-Klimakonferenz. Schon damals waren alle wissenschaftlichen Informationen vorhanden, um zu einer eindeutigen Einschätzung zu gelangen:
„Die große Mehrheit der aus 53 Ländern angereisten Delegierten war überzeugt davon, dass der Klima-Umschwung zu einem Temperaturanstieg führen werde. Als Ursache identifizierten sie den Treibhauseffekt – die Sättigung der Erdatmosphäre mit Kohlendioxid durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Benzin sowie durch die Rodung der Regenwälder.“
Auch die Antworten klangen nicht anders als heute:
Die Prognosen der Wetterforscher hatten es in sich: Mit dem Schmelzen der Eismeere und Gletscher könne der Meeresspiegel um bis zu fünf Meter ansteigen. Die zwingende Empfehlung lautete, den Verbrauch fossiler Brennstoffe rasch zu drosseln, großflächige Abholzungen zu stoppen und auf alternative Energiequellen wie Solarpanels zu setzen.
Und was ist in den letzten 40 Jahren passiert? Weniger als nichts.
Der weltweite Ölverbrauch bspw. ist in den letzten 40 Jahren um mehr als 50% gestiegen, der CO2-Ausstoß hat sich fast verdoppelt, die Zerstörung des Regenwaldes schreitet unvermindert fort.
Und diejenigen, die die Folgen unseres Lebenswandels erleiden müssen, müssen sich von einem Herrn Laschet anhören, welche Form des Protestes er für glaubwürdiger hält?
Alle, die sich aktuell auf den vorderen Rängen des politischen Betriebs drängen, haben im Bereich Umwelt- und Klimaschutz total versagt und diejenigen, die zu Recht darauf hinweisen, dass sie von unserer Generation einen ruinierten Planeten überreicht bekommen, müssen sich sagen lassen, wie das jetzt so richtig geht mit dem Demonstrieren?

Es ist zu hoffen, dass genau das nicht passiert, dass sie sich nicht mundtot machen lassen werden, dass sie weiter demonstrieren und immer mehr werden, denn unsere Generation scheint nicht fähig, den dem Untergang geweihten Entwicklungspfad zu verlassen.