Kaum war der erste Beitrag zum Kommunalwahlprogramm der SPD öffentlich, da wurde mir doch direkt ein Link zum Wahlprogramm der CDU-Königsdorf zugeschickt. Auch ein sehr schönes Werk politischer Prosa.

*************************************************

Die CDU Königsdorf scheint auf der Suche sowohl nach der verlorenen Zeit als auch nach den grünen Wähler*innen, die in Königsdorf häufiger anzutreffen sind, als in vielen anderen Frechener Stadtteilen.
Zumindest wirkt das lokalen Wahlprogramms der Königsdorfer Stadtteil-CDU so
.
Viele lokale grüne Themen werden in den Vordergrund gestellt:
• Erhalt des Naturschutzgebiets Königsdorfer
• Blühwiesen / -streifen zum Schutz von Fauna und Flora
• möglichst vollständigen Verzicht der Nutzung von Glyphosat
• Photovoltaik und Solarthermen auf städt. Gebäuden
• den Bahnhof als Mobilitätsdrehscheibe ausbauen
• den Marktplatz fahrrad- und fußgängerfreundlich umbauen.

Aber wie schon bei der SPD festgestellt: der Schlauch wird heutzutage bestenfalls grün angemalt, die Inhalte sind wie immer die alten.

Auch die CDU-Königsdorf lebt noch in der autogerechten Welt, will mehr kostenfreie Parkplätze, den Ausbau von Bonnstraße und Autobahnanschlüssen und verschließt vor den inhärenten Widersprüchen, die sich daraus ergeben, einfach die Augen.

Lustig aber ist das spezielle Steckenpferd in Königsdorf:
das STELZENHAUS.
Im Wahlprogramm taucht es in dieser Formulierung auf:
„Machbarkeitsstudie für einen innovativen Wohn- und Gewerbebau „Wohnen und Arbeiten in Stelzenhäusern auf Parkplätzen“, ggfs. mit integriertem Hotel und Start-Up- Unternehmen.“
Noch nie davon gehört?

Dann lesen wir doch, was die Stadtverwaltung dazu schreibt:
„Stelzenhäuser sind so konzipiert, dass sie im Erdgeschoss in Stützenkonstruktion auf ca. 5-6 m Höhe Parkplätze überbauen und dann, um einigermaßen wirtschaftlich zu sein, dreigeschossig und höher ausgestaltet sind. Somit entstehen Gebäude mit einer Mindesthöhe von 16 Metern, welche aufgrund dieser Höhe in jedem Falle signifikante städtebauliche Wirkungen entfalten.“
Das Stelzenhaus wird als architektonischer Ausdruck der autogerechten Stadt der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beschrieben, das zu Recht auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen wurde:
„Das Stelzenhaus widerspricht letztlich den Erkenntnissen und der gelebten Praxis im urbanen Bereich der letzten Jahrzehnte. Mit Stelzenhäusern wird dem Auto wieder ein entscheidender Raum zur Verfügung gestellt, welcher anderen Nutzungen somit verloren geht.“
Und speziell zum von der CDU vorgeschlagenen Standort auf der Südseite des Köngisdorfer Bahnhofs merkt die Stadtverwaltung an:
„Die im Antrag genannten Rahmenbedingungen einer Entwicklung mit Tiefgarage / Parkpalette sprechen aus den genannten Gründen bereits aus sich heraus gegen die hier vorgeschlagene Lösung „Stelzenhäuser“ und „Hülkenberg-Modell“. Dieser Standort sollte für eine nachhaltige Mobilität entsprechend dem Konzept der Mobilstationen entwickelt werden: Ein Fahrradparkhaus, eine zwei- bis dreigeschossige Parkpalette, mehrere Carsharing-Parkplätze und ggfs. noch Aufenthaltsmöglichkeiten in Form eines Platzes vielleicht auch auf dem Dach der Palette mit Fußgängerbrücke zum Gewerberiegel.“
Man könnte auch sagen: ein Totalveriss, aber kein Hinderungsgrund für die lokale CDU an dem Projekt festzuhalten. Verwunderlich ist das nicht, denn aus Sicht der CDU ist das die einzige Form, wie man direkt am Bahnhof kostenlosen Parkraum wiederbeschaffen kann, der durch die Bebauung der Nordseite weggefallen ist. Und dann will die Deutsche Bahn auch noch Parkplätze bewirtschaften. Ein Sakrileg und ein Grund eine Petition dagegen zu starten.

Dieses Beispiel zeigt augenfällig, dass die Königsdorfer CDU mit Hilfe eines grünen Feigenblattes ihre generelle klimapolitische Blöße verdeckt. Mehr aber ist es nicht.

Es gilt auch hier: der Klimawandel geht weiter und die CDU hilft.