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Donnerstag, 4. Juli 2019
Thema: Umwelt
„Der Klimawandel hat das Potenzial, unsere natürlich Umwelt und die Weltwirtschaft schwer zu schädigen, und seine Bekämpfung ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht.“
So Angela Merkel im Jahre 2007. Und im gleichen Jahr ergänzte sie:
“Ein Weiter-So gibt es nicht. Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“

Im Grund war also alles gesagt. Trotzdem passierte nichts und die entscheidende Merkelsche Aussage fiel im Februar 2009 im Zusammenhang mit der Finanz- und nicht mit der Klimakrise:

"Ich halte das Vorgehen für alternativlos."

Wäre doch der Kampf gegen die Aufheizung ebenso alternativlos angegangen worden wie all die Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfung der Finanzkrise …

Aber, die Klimakrise verschärft sich, sozusagen täglich, doch je drängender das Problem erscheint, desto weiter in die Zukunft werden die Entscheidungen bisher vertagt. Aktuell hoffen viele Politiker/-innen, dass die Sommerferien die „Fridays for Future-Bewegung“ einschlafen lässt. Dann, so die Hoffnung, kann man das Klimathema auch wieder etwas in den Hintergrund schieben. Endlich wieder „Business as usual“ betreiben.

Woran liegt dieses widersinnige Verhalten, vor dem Hintergrund, dass das Wissen über die Ursachen der Klimakrise seit Jahrzehnten ebenso bekannt ist wie das Wissen um die Folgen? Schlimmer noch, die Klimakrise hat die Erde bereits fest im Griff, die Effekte der Aufheizung sind nicht mehr zu übersehen und die Prozesse scheinen schneller abzulaufen, als die Wissenschaft angenommen hat. So tauen die Permafrostböden schneller auf als gedacht, heute bereits haben sie einen Zustand erreicht, der eigentlich erst 2090 erreicht sein sollte, die Eisverluste der inländischen Gletscher sind höher, die Meereisflächen verschwinden schneller, der Eisverlust Grönlands ist höher als erwartet. Jährlich erleben wir mehr Extremhitzetage und die Trockenheit in Europa nimmt zu. In Indien werden inzwischen lebensfeindliche Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius erreicht. Oder zurück auf die lokale Ebene: auf einer Veranstaltung berichtete ein Schadensregulierer einer in Köln ansässigen Versicherung, ohne eine Verbindung zur Klimakrise herzustellen, dass er diesen Job seit 25 Jahren mache. Früher habe es Frühjahrs- und Herbststürme gegeben, inzwischen gebe es auch regelmäßig Sommerstürme. Wer die Prognosen der Klimaforscher/-innen zur Kenntnis genommen hat, der weiß, dass es sich hier um die erwartbaren Folgen der Klimakrise handelt, ebenso wie lokale Starkregenereignisse und damit einhergehende Überschwemmungen. Die Klimakrise geht uns hier an den Geldbeutel andernorts ist sie bereits tödlich.

Warum aber passiert nichts, warum wird nicht gehandelt?

Hierzu eine Geschichte, die man vielleicht als Analogie zur Erklärungssuche heranziehen kann:
In vielen Unternehmen sind derzeit Unternehmensberater unterwegs, die das Thema „Digitalisierung“ treiben. Die gerne vorgetragene Story hierzu lautet, dass viele Unternehmen den umwälzenden Charakter der Digitalisierung nicht begreifen würden, da sie im „alten Denken“ verhaftet seien. Als „altes Denken“ wird dabei das Denken verstanden, das auf erworbenen Erfahrungen aufbauend diese in die Zukunft verlängert und auf dieser Basis die Geschäfte plant und steuert. Digitalisierung, so die Behauptung, wirke aber wie ein Bruch, wie ein „disruptive change“ so das schöne neudeutsche Wort. Als Beispiel dient immer die Firma Kodak, die zu den wichtigsten Firmen für fotografische Ausrüstung, vor allem für Filmmaterial, gehörte. Diese Firma habe auch die Grundlagen für die digitale Fotografie gelegt, das darin liegende wirtschaftliche Potential aber nicht erkannt, da dieses außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts gelegen sei und habe deshalb die Erfindungen, Entwicklungen und Rechte verkauft. Anschließend sei Kodak vom Erfolg der digitalen Fotografie überrollt worden und in Konsequenz in den Konkurs gegangen.
Der hier erfundene Begriff des „disruptive change“ ist nun nicht wirklich neu. Der Nationalökonom Josef Schumpeter begriff schon 1942 Wirtschaftskrisen auch als Prozesse der „kreativen Zerstörung“, bei denen im Prozess der Krise Neues entstehe und dadurch auch neues Wachstum generiert werden könne. Im Grunde bricht der neumodische Begriff des „disruptive change“ diese in einer Wirtschaftskrise erfolgende „schöpferische Zerstörung“ von einer gesamtwirtschaftlichen Ebene herunter auf die Ebene eines Einzelunternehmens bzw. der Ebene einer Gruppe von Unternehmen, die sich am Markt mit ähnlichen Geschäftsmodellen bewegen. Die Digitalisierung zerstört alte Geschäftsmodelle und erschafft neue. Unternehmen, die in alten Denkgewohnheiten verbleiben, die ihrem Erfahrungswissen mehr vertrauen als den Neuerungsversprechen sind in diesem Prozess der technologischen Erneuerung in ihrer Existenz bedroht.
Nun, vielleicht wirkt die Digitalisierung der Wirtschaft in dieser Form, entscheidend aber ist etwas anderes, worauf die Unternehmensberater/-innen mit ihrer Arbeit abzielen:
Sie wollen aufzeigen, dass der technologische Wandel historisches Erfahrungswissen rasch entwertet und ein „neues Denken“ in den Unternehmen Einzug halten müsse. Und viele Unternehmen haben dies als Herausforderung angenommen.
Wenn nun die Klimakrise neumodisch als „disruptive change“ verstanden wird, dann steht die Menschheit vor einem ähnlichen Problem wie die Unternehmen angesichts der Digitalisierung. Der durch die Aufheizung der Atmosphäre angestoßene Wandel verläuft aus Sicht der Menschheit derartig schnell, dass das gesamtgesellschaftliche historische Erfahrungswissen innerhalb kürzester Zeit überflüssig zu werden droht.

Diese kapitalen Veränderungen schlagen sich aber bisher nirgendwo wirklich nieder. Alle öffentlich zugänglichen Prognosen zur Zukunft der Menschheit, der Wirtschaft, einer Stadt oder Region schreiben die Entwicklungen der vergangenen Jahre fort. Nur ein Beispiel: in einem Artikel über die zukünftige Entwicklung der Volkswirtschaften in den kommenden 30 Jahren wird erklärt, dass sich die stärksten Volkswirtschaften 2050 im pazifischen Raum befinden werden. Hier sei die wirtschaftliche Entwicklung dynamischer als bspw. in Europa, hier fänden sich die höchsten Zuwachsraten. Hier, so der Tenor, liegt die Zukunft der Weltwirtschaft.

Nur, ist das auch stimmig, wenn man die bisher schon beobachtbaren Folgen der Klimakrise mitbetrachtet? Kann Indien seine Dynamik halten, wenn die Temperaturen ins Lebensfeindliche kippen? Was passiert, wenn die indischen Megacities ihre Grundwasservorräte aufgebraucht haben werden, einzelne Städte haben den Punkt bereits erreicht, und der notwendige Regen, der bisher mit großer jahreszeitlicher Regelmäßigkeit kam, nicht mehr fallen will? Müssen diese Städte dann mit „Wasserunruhen“ rechnen? Was passiert, wenn ganze Küstenstriche vom steigenden Meeresspiegel geflutet werden und Sturmfluten immer weiter ins Innenland vordringen, wenn die wirtschaftlichen Zentren unter Wasser stehen? Was bleibt dann übrig von einer Prognose, die den schwerwiegensten Bruch der Entwicklung nicht integriert hat?

Vergleichbares findet sich überall, sei es bei der Zunahme des weltweiten Flugverkehrs oder bei den Prognosen für die Zunahme des Autoverkehrs oder des Warentransports, national ebenso wie international.

Diese gesamten Betrachtungen kranken daran, dass sie historische Entwicklungen in die Zukunft fortschreiben, wobei die nicht formulierte Prämisse immer lautet: es geht so weiter, wie wir es die letzten 10, 20, 30 Jahre erlebt haben. Diese Prämisse beschreibt unser historisches Erfahrungswissen und führt uns alle in die Irre.
Dies ist den Menschen schon einmal passiert. 1789 brach in Frankreich die Französische Revolution aus und nur wenige Jahre später war nichts mehr wie zuvor, denn die Ereignisse in Frankreich haben bisher Undenkbares für breite Massen denkbar gemacht.
Ein König, der vor ein Gericht gestellt und zum Tode verurteilt werden kann – vor 1789 undenkbar.
Ein Volk, dass sich selbst regieren kann – vor 1789 undenkbar.
Dem Individuum innewohnenden Menschenrecht – vor 1789 undenkbar.
Ein Ende von Sklaverei und Leibeigenschaft – vor 1789 undenkbar.

Unsere heutige Welt beruht auf einem Ereignis, das radikal mit dem historischen Erfahrungswissen vieler Jahrhunderte brach und dem Träumen, Denken und Handeln eine neue Welt eröffnete.

Die Klimakrise ist ein ebensolches einschneidendes Ereignis. Nur bringt uns die Klimakrise kein neues Jahrhundert der Befreiung des Träumens, Denkens und Handelns sondern es zwingt uns zu einschneidenden und schmerzhaften Maßnahmen, um überhaupt eine Zukunft zu haben, in der wir alle noch träumen, denken und handeln können.




Donnerstag, 13. Juni 2019
Thema: Umwelt
Vor einigen Tagen hat die Stadt Köln bekannt geben, dass sie an der Aachener Straße an der westlichen Stadtgrenze eine Pförtnerampel setzen will. Damit soll die Anzahl der während der Stoßzeiten Richtung Kölner Innenstadt fahrenden Autos von stündlich 1.200 auf 700 reduziert werden. Das ist wohl notwendig, damit die geplanten Schnellbusse, die auch auf der Aachener Straße verkehren sollen nicht zu „Staubussen“ degenerieren.

Die Reaktion der Königsdorfer CDU passt vollständig in die Kategorie „Realitätsverweigerung“. Die CDU-Königsdorf lehnt die Pläne vehement ab, weil durch die Pförtnerampel der „gemeine Rhein-Erft-Pendler“ aus Köln ausgesperrt werde. Ja, genau das ist das Ziel einer Pförtnerampel. Die Stadt Köln will die Belastung reduzieren. Man könnte jetzt sagen, hätte ihr schon früher einfallen können, denn es leben viele Menschen an der Aachener Straße in Köln, deren Belastung durch den automobilen Lärm und Dreck solange weder in Köln und noch viel weniger in Königsdorf interessiert hat, solange die Stadt Köln keine Lösung für die Schnellbusse suchte. Nun also will Köln die Belastung mit Hilfe einer Pförtnerampel intra muros reduzieren. Und schon stellt die CDU-Königsdorf fest, dass er „gemeine Rhein-Erft-Pendler“ nun die eigene Gemeinde mit Lärm und Schmutz belastet. Zugegebenermaßen eine schlimme Situation für die Anwohner*innen der Aachner Straße in Königsdorf.

Nur, die CDU-Königsdorf macht sich keine Gedanken über das Pendlerunwesen und mögliche grundsätzliche Abhilfen sondern verbleibt im Empörungsmodus. Das Verhalten der Stadt Köln zeuge von „unfassbarer Ignoranz“, so gehe „man nicht mit Nachbarn um!“, das könne „nicht das letzte Wort sein“.

Man vertauscht Ursache und Wirkung, um sich mit dem Problem nicht auseinander setzen zu müssen. Nicht die Pförtnerampel ist das Problem, sondern der automobile Pendler.

Inzwischen müsste es selbst in Frechen-Königsdorf angekommen sein, dass das Auto das Problem und nicht die Lösung ist, nur in Königsdorf sieht man das anders.

Warum plant man denn nicht längst eine Verlängerung der Linie 1 bis ans östliche Ortsende von Königsdorf inklusive der Errichtung eines großen Park&Ride-Parkplatz? Und bis es zur Verlängerung kommt, könnte man auch in Königsdorf und Pulheim mit Hilfe von Schnellbussen für eine Entlastung der Straßen sorgen. Warum fordert niemand eine Sanierung der Radwege entlang der Aachener Straße in Köln und einen entsprechenden Ausbau unter Wegfall von Parkplätzen in Königsdorf? Warum streitet man sich nicht mit der Landesregierung über Tempo 30 auf der Aachener Straße oder plant selber eine Pförtnerampel östlich von Königsdorf?

Dass nun auch die Frechener SPD ins gleiche Horn stößt, muss nicht verwundern. Eine Verkehrspolitik, die nicht autozentriert ist, ist für diese Partei nicht vorstellbar, oder wie soll man den Frechener SPD-Fraktionschef Hans Günter Eilenberger anders verstehen: „Was die Stadt Köln da plant, ist eine Verkehrspolitik nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu Lasten der Nachbarstädte“?

Was muss geschehen, damit der „gemeine Rhein-Erft-Pendler“ darüber nachdenkt, ob man mit anderen Verkehrsmitteln nicht auch ans Ziel kommen könnte? Das Auto sollte schon längst ein Auslaufmodell moderner Mobilität sein. Wer aber nicht mehr in der Lage ist, über sein Lenkrad hinauszudenken, wird sich dieser einfachen Wahrheit verschließen.

Nein, diese beiden Parteien brauchen keinen Youtuber Rezo, oder wie ihn neckisch Philipp Amthor, der Jungbrunnen der CDU nannte, „Rezo, du Zerstörer“, das können die CDU- und SPD-Kader ganz alleine. Wer sich die katastrophalen Wahlergebnisse der beiden Parteien bei der Europawahl in Frechen ansieht, der weiß, dass selbst in Frechen das Thema Klimakatastrophe angekommen ist.
Und das Thema wird auch nicht mehr von der Agenda verschwinden, es wird uns die kommenden Jahre und Jahrzehnte begleiten und zwar mit wachsenden negativen Auswirkungen auf unser tägliches Leben.
Umsonst und ohne Veränderungen des eigenen Verhaltens wird sich die Klimakatastrophe nicht abwenden lassen. Darüber sollten SPD und CDU in Frechen schnellstens nachdenken. Die Abwendung von einer autozentrierten Verkehrspolitik wäre ein erster lokaler Schritt. Die Klimakatastrophe nimmt keine Rücksicht auf denkfaule ehemalige Volksparteien.

Aber zurück zur Pförtnerampel: alle Aufgeregtheit ist komplett überflüssig, denn das Kölner Verkehrsdezernat wird von Frau Andrea Blome geleitet, einer treuen CDU-Seele, deren Herz, wenn man die Kölner Verkehrspolitik der vergangenen Jahre Revue passieren lässt, für das Automobil schlägt. So wurden aus vom Rat der Stadt geforderten reinen Busspuren auf der Aachener Straße für die Schnellbusse nun Buslinien, die immer dann abseits der Aachener Straße verlaufen, wenn durch echte Busspuren das Autofahren auf der Aachener gestört werden könnte. Womit das Thema Schnellbus vermutlich bereits der Vergangenheit angehört. Und das ist sicherlich noch nicht das Ende der Entwicklung. Frau Blome und ihr Dezernat werden aus den ursprünglich geplanten Schnellbussen kölnfunktionale Staubusse machen. Dazu braucht es dann auch keine Pförtnerampel.

Mit Frau Blome ist es wie mit dem berühmten kläffenden Hund, von dem Herrchen oder Frauchen beruhigen immer sagen: „der beißt nicht, der will nur spielen.“




Freitag, 7. Juni 2019
Thema: Umwelt
Wer wissen will, warum die CDU bei den Europawahlen so abgeschmiert ist und warum die Grünen derzeit einen Lauf haben, der muss sich nur das Interview durchlesen, dass das Handelsblatt mir Friedrich Merz geführt hat.
Daraus ein Zitat, das den Abstand zwischen der CDU und der Realität beschreibt:
Wie kann die Union deren Aufschwung aufhalten? Ich würde ihren Umweltpopulismus mit der Wirklichkeit konfrontieren. Die Grünen schwimmen auf einer Welle von Sympathie, weil sie eine schöne neue Welt versprechen und auf komplexe Fragen zu einfache Antworten geben. Ich würde ihnen die Frage stellen, wie und wovon unsere Kinder und Enkelkinder denn in 20 oder 30 Jahren eigentlich leben sollen.
Dazu zwei Informationen, die sozusagen zeitgleich durch die Presse laufen:
1. Die monatliche Kohlendioxidkonzentration hat im Mai 2019 mit 414,8 parts per million (ppm) einen neuen Höchststand erreicht. Das sind 3,5 ppm mehr als im vergangenen Jahr. Vor einigen Jahrzehnten lag der jährlich Zuwachs noch bei 0,7 ppm in den 1980er Jahren steigerte er sich auf 1,6 ppm, inzwischen sind wir bei jährlich 2,2 ppm jährlich. Tendenz weiter steigend.

2. Die Methankonzentration in der Atmosphäre ist aktuell um das 25-fache höher als in der vorindustriellen Zeit. Seit 2007 stieg der Methananteil in der Luft um 5,7 parts per billion (ppb) jährlich. Die Klimawirkung von Methan übersteigt diejenige von Kohlendioxid um das 25-fache. Für das Klima ein Supergift, das vor allem bei der Massentierhaltung und bei der Zersetzung von organischem Material unter Luftabschluss entsteht. Die größten Methanlager finden sich (noch) im Permafrostboden in den Polargebieten.

Nun ist es ja so, dass die Grünen nur die glücklichen Gewinner, sozusagen der Kollateralschaden der Fridays-Bewegung sind, der es gelungen ist, die bereits laufende Klimakatastrophe zum beherrschenden politischen Thema der vergangenen Monate zu machen. Und weder die Fridays-Bewegung noch die Grünen versprechen uns eine schöne neue Welt, wenn auch die Grünen deutlich positiver unterwegs sind als die Fridays-Bewegung. Aber die Antworten der Wissenschaftler/-innen, die die Fridays unterstützen, geben sind nicht wirklich einfach. Sie sind nur eindeutig und sie lassen sich sehr vereinfachend formulieren. Sozusagen auf den kleinsten Nenner verdichtet, sagen die Lösungsvorschläge alle: „Weniger ist mehr“: weniger CO2-Verbrauch, weniger individuelle Mobilität mit Hilfe von Verbrennungsmotoren, weniger Flugreisen, weniger Fleisch. Denn andernfalls werden wir die Erde in einen für Menschen kaum mehr bewohnbaren Planeten verwandeln.

Und so kommt „Umweltpopulismus“ daher, findet Herr Merz? Da sollte wohl mit dem Schlagwort „Populismus“ mal schnell diffamiert werden. Umweltschutz ist also populistisch. Erinnert sich noch zufällig jemand, wie die klimastreikenden Schülerinnen und Schüler aus der CDU (und der AFD) heraus gefaltet wurden für ihr Engagement? Wie in der Öffentlichkeit statt über die Klimakrise über die Schulpflicht diskutiert wurde? Und wie die CDU das Thema um’s Verrecken nicht in den Griff bekam? Wo war denn wohl die populistische Anwandlung beheimatet, bei den Schülerinnen und Schülern oder bei der CDU?
Es ist jedenfalls das erste Mal, dass man von den Menschen Verzicht verlangt und sich dafür als „Populisten“ beschimpfen lassen muss.

Und was weiß Herr Merz zur Klimakatastrophe selbst zu sagen?
Dann fragen die Grünen, ob wir denn in einer Welt leben wollen, in der wir nicht überleben können.

Das ist der Dissens, über den wir in unserer Demokratie offen streiten müssen. Ich bin mir sicher, dass wir da als Stimme der Vernunft viel Zustimmung von der arbeitenden Bevölkerung bekommen. Denn als Verursacher von unter drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes kann Deutschland die Welt nicht im Alleingang retten. Aber wir haben und entwickeln neue Technologien, die weltweit eingesetzt werden können. Die latente Technikfeindlichkeit der Grünen hilft dem Klimaschutz nicht, sie schadet ihm. Und darüber müssen wir reden.
Auch hier scheitert Herr Merz an der Realität. Es ist keine demokratisch zu entscheidende Frage, ob die Welt, wie wir sie kennen, untergehen wird oder nicht. Die Welt wie wir sie kennen, wird zerstört werden, wenn nicht schnellstens gehandelt wird. Der Selbstzerstörungsprozess ist bereits angelaufen alleine aufgrund der Situation, dass wir Menschen zu verschwenderisch mit den begrenzten Ressourcen der Erde umgegangen sind. Jetzt muss die Menschheit auf die Bremse treten. Und wie beim rechtzeitigen Bremsen entscheidet die Reaktionszeit über Erfolg oder Misserfolg.

Und dabei gilt dann die einfache Regel, dass man am besten, wie es so schön heißt, vor der eigenen Haustüre anfängt, denn nur hier ist ein direktes Handeln möglich. Der doppelte Verweis auf die Verantwortung der anderen („Deutschland kann die Welt nicht im Alleingang retten“) und die deutsche Technologie (der feuchte Traum deutscher Ingenieure: wir erfinden die Weltrettungsmaschine), ist ein Ablenkungsmanöver und verweist darauf, dass die CDU weiter gerne auf Zeit spielen möchte.
Das Ziel hierbei ist klar: man möchte sich harte Entscheidungen ersparen, die bei der ganzen Bevölkerung eine Änderung bisheriger Lebensgewohnheiten erzwingen würden. Das wird nicht auf ungebremste Begeisterung stoßen. Insbesondere nicht in einem politischen System, das sich daran gewöhnt hat, Zugewinne als Verteilungsmasse zu nutzen. Niemandem wird etwas weggenommen, alle erhalten mehr, da die Rentner/-innen, da die Familien, da die Bauherren, da die Autobesitzer ...

Nun stehen wir vor der Situation, dass Entscheidungen anstehen, die, wenn den Vorschlägen der Wissenschaftler/-innen gefolgt wird, dazu führen wird, dass wir alle weniger haben werden, weil Produkte und Dienstleistungen verteuert werden müssen, um unser aller Verhalten ins Klimaschonende umzulenken. Weniger Fleisch, weniger Auto, weniger Flugreisen, weniger Kreuzfahrten, weniger Flächenverbrauch.

Die CDU verweigert sich dieser Einsicht. Das scheint selbst vielen Wählerinnen und Wählern der CDU aufgefallen zu sein. Für die CDU könnte man hoffen, es handle sich um ein Generationenproblem, aber auch die Junge Union ist, trotz der Andeutung von Jugendlichkeit im Namen, ebenso aus der Realität gefallen.

Der Niedergang hat erst begonnen.