Freitag, 17. Januar 2014
Heute wurde dem Schulausschuss eine Beratungsvorlage zur Verfügung gestellt, die es in sich hat.

Eigentlich geht es um den zukünftigen Raumbedarf an den Frechener Schulen. Das Problem wurde sichtbar, da die Johannesschule in Köngisdorf für die vielen Kinder, die dank der Neubaugebiete in die Schule drängen, zu klein ist. An anderen Schulen können sich solche Probleme in Zukunft auch ergeben, so in Grefrath (Baugebiet Ammerstraße) und im Unterdorf (Baugebiet Grube Carl).
Wenn aber viele Kinder die Grundschulen besuchen, so werden irgendwann auch viele Kinder auf die weiterführenden Schulen gehen. Sind die weiterführenden Schulen in der Lage, diese Kinder alle aufzunehmen? Die städtische Beratungsvorlage läßt daran, gelinde gesagt, zweifeln.

Aber, diesem Thema will ich mich in einem späteren Beitrag widmen. Heute steht nur ein kleiner Teilsaspekt im Fokus, der in der Vorlage nur in einer Grafik auftaucht:

Die Zukunft der Frechener Hauptschule

Die Vorlage bestätigt, was wir schon lange schreiben: das Schulwahlverhalten der Eltern ändert sich. Zudem bestätigt die Verwaltung, dass immer weniger Schulkinder Schulen ausserhalb Frechens besuchen. Waren es früher immerhin 25%, so kalkuliert die Stadt inzwischen mit „nur“ noch 15%. D.h.: rund 85% aller GrundschulabgängerInnen gehen auf Frechener weiterführende Schulen. Und von diesen Kindern, so sagt die Verwaltung besuchen nicht mehr 15% die Hauptschule, sondern nur noch 13%.

Treffen beide Vorhersagen ein, so könnte die Hauptschule im kommenden Jahr mit 44 Kindern aus Frechen rechnen. 2013/14 haben zudem 6 Kinder aus Umlandgemeinden den Weg in die Frechener Hauptschule gefunden. Das ergäbe immerhin 50 potentielle Hauptschulkinder.

Leider hat diese Hochrechnung einen kleinen Fehler. Eine höhere Bindungsquote führt nicht zwingend zu einer höheren Anzahl an Kindern, die die Hauptschule besuchen werden.

Laut der hauseigenen Schulstatistik hat im vergangenen Schuljahr gerade mal ein einziges Kind eine auswärtige Hauptschule besucht. Vor 5 Jahren waren es immerhin mal 3 Kinder, die diesen Weg gegangen sind.

Das heißt aber: eine höhere Bindungsquote wird sich nicht an der Hauptschule auswirken sondern nur an der Realschule und am Gymnasium.

Zudem ist auch fraglich, in welchem Umfang in den kommenden Jahren noch mit Einpendlern gerechnet werden kann, nachdem in Hürth und Brauweiler voraussichtlich 2 neue Gesamtschulen ihre Pforten öffnen werden. Das eine oder andere Kind wird statt der Frechener Hauptschule möglicherweise die Gesamtschule im Nachbarort vorziehen und auch das eine oder andere Frechener Hauptschulkind könnte den Weg an eine dieser Gesamtschulen finden.

Mit anderen Worten: legt man die Schulstatistik neben die Beschlussvorlage, so kann man zu dem Schluss kommen, dass die Frechener Hauptschule im kommenden Schuljahr sicherlich weniger als 50 Kinder im 5. Schuljahr unterrichten wird. Man sollte also den unteren Wert als Richtwert nehmen: Maximal 38 Frechener Kinder werden sich kommendes Jahr an der Frechener Hauptschule anmelden und ob noch viele Kinder aus den Umlandgemeinden kommen, diese Antwort mein Freund weiß ganz allein der Wind.

Wie groß, so muss man aus heutiger Sicht fragen, ist die Überlebenschance dieser Schule?

Wäre es nicht angebracht, der Öffentlichkeit mitzuteilen, wann aus Sicht der Stadt der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie diese Schule auslaufen läßt? Die vorliegenden Zahlen lassen eine echte Notwendigkeit für eine gesonderte Hauptschule nicht mehr erkennen.




Dienstag, 14. Januar 2014
Thema: Inklusion
Diesen Text habe ich gerade gefunden. Er stammt aus Hessen.
Er kann aber beanspruchen, auch die hiesige Situation angemessen zu beschreiben.
Zuerst der Text, dann die Querverweise
Inklusion – Propaganda und Dilemma

Wer sich heute auf die Idee einer Schule für Alle konsequent einlässt, stößt in der öffentlichen Bildungspolitik auf viel Propaganda und wenig angemessene Realisierung. Hessens Bildungsadministration z. B. verfügt zwar über ein ‚Institut für Qualitätsentwicklung‘, dieses aber leider nicht über entwickelte Qualitätsdimensionen für die Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Im Gegenteil wird auf verschiedenen Ebenen ein Argumentieren erkennbar, dass sich zwar scheinbar der Inklusion widmet aber offensichtlich andere, der Inklusion widersprechende Interessen verfolgt. So ergeben sich folgende Unvereinbarkeiten:
eine (freiwillige!) Verpflichtung zur Schaffung eines inklusiven Bildungssystems einerseits bei gleichzeitiger Verweigerung ausreichender Mittel zu seiner angemessen Umsetzung andererseits.
die Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler bei parallel strikter Beibehaltung von Bildungsprivilegien durch den Erhalt von Gymnasien bzw. einem viergliedrigen Schulsystem.
So widerspricht es auch dem Grundsatz, dass niemand wegen seiner Behinderung aus der allgemeinen Schule ausgeschlossen werden darf, wenn unverrückbar am Zwei-Säulen-Modell (Regelschule – Sonderschule) festgehalten wird; und dies obwohl die geringe Effektivität und die hohen Kosten dieser Schulstrukturvarianten nachgewiesen sind.
Vollends unverständlich zu Inklusionsbeteuerungen gerieren sich das Zurücklassen von Kindern und Jugendlichen durch Zurückstellungen, erzwungenen Klassenwiederholungen – die nachgewiesen stark negative Entwicklungswirkungen haben; (s. die Hattie-Studie) – oder Abschulungen. Es zeigt sich: auf der Vorderbühne: wird propagiert: ‚alles soll sich ändern‘; auf der Hinterbühne wird realisiert, dass alles so bleibt, wie es schon immer im bundesdeutschen Bildungswesen war; … und wenn dabei noch gespart werden kann, wird dies intensiv betrieben.
Die Querverweise:

Die Verpflichtung zu Schaffung eines inklusiven Bildungssystems wird durch die Landesregierung aktuell nur unzureichend gefördert. Hier vor Ort werden alle lokalen Forderungen abgebügelt.
Die Bildungsprivilegien bspw. durch den Erhalt von Gymnasien und des viergliedrigen Schulsystems sollen in Frechen möglichst lange erhalten werden. So arbeitet die Stadtverwaltung zusammen mit dem Kreis an einer Neugestaltung des Förderschulwesens.
Das Festhalten am Zwei-Säulen-Modell (Regelschule – Förderschule) wird damit klar zum Ausdruck gebracht.
Das Aufbrechen des Schulsystems mittels einer Gesamtschule vor Ort wird boykottiert.
Abschulungen und Klassenwiederholungen sind an den Frechener weiterführenden Schulen keine Ausnahme sondern der Regelfall.

„Es zeigt sich: auf der Vorderbühne: wird propagiert: ‚alles soll sich ändern‘; auf der Hinterbühne wird realisiert, dass alles so bleibt, wie es schon immer im bundesdeutschen Bildungswesen war“

Das glit auch uneingeschränkt für Frechen.




Dienstag, 7. Januar 2014
Gestern habe ich von Peter Singer, Mitglied der LINKEN (Regionalrat Köln und sachkundiger Bürger im Umweltausschuss des Rhein-Erft-Kreises) nahfolgende, die Zusammenhänge der Trennung der Gronewald – Fraktion erhellende Mail erhalten.
Sie vermuten, dass der "Scheidungskrieg" in weiten Teilen nicht politisch, sondern persönlich motiviert gewesen wäre.
Dies kann ich richtigstellen. DIE LINKE Frechen musste kurz nach der Kommunahlwahl leider feststellen, dass sie Herrn Gronewald auf den Leim gegangen ist. Dieser Herr hat nie eine linke Politik verfolgt; ihm ging es um seine persönliche Bereicherung durch das Ratsmandat (Fraktionsvorsitz). Sehr schnell entpuppte er sich als Populist mit teilweise reaktionären Ansichten. Der Stadtverband der LINKEN in Frechen war z.B. vehement gegen die unsägliche Gronwaldsche Losung "Ihr Anliegen ist unser Auftrag". Den in unserer Satzung festgeschriebenen Mandatsträgerbeitrag hat er (obwohl von ihm versprochen) nie abgeführt. Die Rats"arbeit" von Herrn Gronewald und Herrn Kull kann man schlichtweg vergessen. Dass diese Leute zeitweise unter dem Namen DIE LINKE agierten war und ist hochnotpeinlich.

Kurz gesagt Gronewald war nie ein LINKER. Die Ratsfraktion Gronewald hat nie linke Politik gemacht.

Das hat sich der Stadtverband nicht mehr bieten lassen, deshalb die Trennung.
Herr Gronewald und sein Fraktionskollege sind 2011 aus der Partei DIE LINKE ausgetreten, um einem vom Stadtverband DIE LINKE Frechen beantragten Parteiausschluss zuvor zukommen.

Mit persönlichen Differenzen hat dies nur insofern zu tun, dass wir LINKEN in Frechen so eine Person nicht in unseren Reihen haben möchten. Dass der Stadtverband DIE LINKE eine solche Fraktion aufgibt, zeigt unseres Erachtens, wie Ernst wir es mit linker Politik nehmen.

Seien Sie versichert, dass wir aus dieser Sache gelernt haben.

Unsere Kandidaten zur Kommunahlwahl 2014 für den Frechener Rat stehen für eine linke Politik und eine echte Alternative zum Konsensbrei im Frechener Rat.

Peter Singer