Donnerstag, 22. Dezember 2011

Seit nunmehr mindestens 4 Jahren begleitet uns Grundschuleltern das leidige Thema der fehlenden OGS-Plätze.
Erstmalig 2009 machten Eltern massiv Druck, um dringend notwendige OGS-Plätze einzufordern. Dieser akute Bedarf wurde mit Hilfe der inzwischen überall sichtbaren roten Container gelöst. Die GSG Grefrath bekam einen zusätzlichen Anbau. Auch die Edith-Stein-Schule kommt bisher ohne Container aus.
Schon 2009 war jedoch absehbar, dass der Bedarf weiter ansteigen wird. Das hat sich zu jedem Schuljahresbeginn bestätigt. Die Stadt steht inzwischen vor zwei grundlegenden Problemen:

  • die Schaffung neuer Betreuungsplätze kostet Geld, pro Betreuungsplatz kalkulierte die Stadt in 2010 mit einem Aufwand von 12.000 Euro.
  • An den Schulen fehlt der Platz für zusätzliche Erweiterungsbauten.

Mit anderen Worten: selbst wenn die Stadt die finanziellen Mittel für die Erweiterung der OGS in die Hand nehmen will, so fehlt es an den Schulen an Platz, um weitere Räumlichkeiten zu errichten
Es ist klar, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen nicht spontan 2009 aufgetreten ist, sondern dass wir heute darunter leiden, dass die Stadt Frechen sich jahrelang davor gedrückt hat, sich des Themas OGS anzunehmen. Aus diesem Grund hechelt die Stadt nun dem aktuellen Bedarf hinterher. Und alle bisherigen Versuche, eine Lösung zu finden scheitert daran, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen immer über den städtischen Prognosen liegt. Noch vor 2 Jahren plante die Stadt eine Betreuungsquote von 60% und alle Hinweise, dass eine Betreuungsquote von 60% nicht ausreichen würde, wurden zurückgewiesen. Bei den Neuanmeldungen für das Schuljahr 2012/13 liegt der gemeldete Bedarf bereits bei 66%, an einzelnen Schulen sogar bei über 75%.

So geht die Stadt nun davon aus, dass insbesondere an der Ringschule, der Edith-Stein-Schule, der Johannesschule und an der Lindenschule mit „nicht unerheblichen Engpässen“ gerechnet werden muss. Speziell für die Lindenschule kommt dieser Engpass nicht überraschend und er muss der Stadt bekannt sein, denn schon 2010 wurde sie darauf hingewiesen, dass die derzeit noch vorhandenen 25 Hortplätze im nahegelegenen Kindergarten St. Barbara (Grube Carl) Mitte 2012 wegfallen werden.

Die Stadt hat nun den einen oder anderen Bauerntrick versucht, 2010 bspw. meinte sie das Problem dadurch lösen zu können, dass sie die Anzahl der OGS-Plätze einfach einfriert, anscheinend in der seltsam anmutenden Erwartung, dass fehlende Plätze automatisch den Bedarf der Eltern nach einer verlässlichen Betreuung reduziert. Seit 2010 ist die Stadt jetzt dabei, Umstrukturierungen zu propagieren, soll heißen, in den Schulen eine bessere Raumnutzung zu erreichen, um so mehr Plätze anbieten zu können.

Aber auch die Umstrukturierungen stoßen an natürliche Grenzen. Und diese Grenze heißt: Mittagessen. Mehr Kinder bedeutet, dass die Küchen und Kantinen der Schulen ausreichend groß sein müssen, um die Kinder in einer angemessenen Zeit mit ausreichendem (und gutem) Essen zu versorgen. Viele Küchen und Schulmensen sind aber heute bereits an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Auf diesen Aspekt wurde die Stadtverwaltung im letzten Schulausschuss durch eine Schulleiterin ausdrücklich hingewiesen.
Allein, alle diese Maßnahmen kommen zu spät! Der Bedarf steigt deutlich schneller als erwartet. Die Stadt kommt mit der Umsetzung der von ihr geplanten Maßnahmen nicht hinterher.

Vor diesem Hintergrund schreibt die Stadtverwaltung in einer Vorlage, dass „damit gerechnet werden muss (…), dass (…) nicht alle angemeldeten Bedarfe gedeckt werden können. Entsprechende Überlegungen sind sicherlich im Rahmen der bevorstehenden Haushaltsberatungen anzustellen; die Wiedereinführung eines Kriterienkataloges sollte in diese Überlegungen mit einfließen.“

In eine sachliche Ordnung gebracht, bedeutet dass: die Stadt prüft, ob sie, vielleicht unter Einsatz weiterer finanzieller Mittel, zusätzliche OGS-Plätze schaffen kann. Sollte dies jedoch nicht bis zum Schuljahresbeginn 2012/13 gelingen, so müssen wir Eltern damit rechnen, dass nicht alle Kinder den benötigten Betreuungsplatz bekommen werden.

Und mal ehrlich, wie und wo will die Stadt denn zusätzliche Plätze schaffen? Das Aufstellen weiterer Container ist bspw. weder an der Lindenschule noch an der Ringschule denkbar. An welchen Schulen ausreichend Raum und Küchenkapazität für die Mittagsversorgung weitere Kinder besteht, wurde bisher nicht dokumentiert. Zudem hat es die Stadt selten geschafft, neue Container punktgenau in Betrieb zu nehmen. An der Lindenschule brauchte es 2009 größeren öffentlichen Druck, um zu erreichen, dass die neuen Container für die OGS mit nur 2monatigen Verspätung genutzt werden konnten, die Realschule wird ihre Container mit nur 4monatiger Verspätung einweihen. Mit anderen Worten: die Stadt müsste bereits jetzt in die konkreten Planungen eintreten, um zum Schuljahresbeginn 2012/13 die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen zu können. Wer glaubt denn daran? Der finanzielle Aspekt des Problems wurde in die Haushaltsberatungen geschoben, die erst in den kommenden Wochen beginnen werden. Die inhaltlichen Aspekte will die Stadtverwaltung derzeit nicht diskutieren.

Die Stadt denkt daher aktiv über die Einführung eines Kriterienkatalogs nach. Das wird bedeuten, dass alle Eltern die Betreuungsnotwendigkeit für ihr Kind werden belegen müssen. Auch Eltern, deren Kinder bereits in der Betreuung sind, müssen sich auf eine Überprüfung einstellen. Die Stadt wird niemandem eine Platzgarantie aussprechen können.

Eine Mutter hat zwischenzeitlich einen Bürgerantrag eingereicht, mit dem die Stadt aufgefordert wird, ausreichende finanzielle Mittel zur Beseitigung des absehbaren Engpasses bereit zu stellen. Es bleibt zu hoffen, dass sich weitere Eltern dieser Initiative anschließen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre kann der öffentliche Druck gar nicht groß genug sein.





Dienstag, 20. Dezember 2011
Im Verlauf des Jahres 2010 wurde in Rheinbach begonnen, über die zukünftige Schulstruktur nachzudenken
Da kommunale Entscheidungen so ihre Zeit benötigen, musste Rheinbach erleben, dass die gewünschte Gemeinschaftschule bereits wieder ein Auslaufmodell war, bevor die Gemeinde überhaupt zur Umsetzung schreiten konnte. Im weiteren Verlauf schwenkte die Stadtverwaltung auf die Sekundarschule über. Diese sei am einfachsten für Rheinbach umsetzbar und würde andere Schulen im Bestand nicht gefährden.
Die Elternbefragung jedoch ergab, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Elternschaft für eine Gesamtschule votiert. Die fünf Fraktionen im Stadtrat haben sich deshalb am 19.12.2011 für eine Fusion von Haupt- und Realschule zu einer Gesamtschule entschieden.
Gesamtschulgegner (aus dem Lager der Gymnasien) machen nun aktiv Politik gegen diese Entscheidung. Insofern gilt: Abwarten, wie sich die konkreten Anmeldezahlen entwickeln. Aber den Gegner der Gesamtschule sei ins Stammbuch geschrieben: nicht der Elternwille der Gymnasialeltern wird über das Wohl und Weh der Gesamtschule entscheiden, sondern der Elternwille der Haupt- und Realschuleltern. Und da die Hauptschule eine aussterbende Schulform ist, ist der Weg vorgezeichnet.

Wir sind gespannt, wie es in Rheinbach weitergeht und wir sind gespannt, ob die Frechener Politik aus Erfahrungen anderer Kommunen lernen will.




Donnerstag, 15. Dezember 2011
Und der Rat hat nicht Farbe bekannt.
Der Bürgerantrag der 177 Frechener Eltern und der ergänzende Antrag der Grünen wurden auf die Mai-Sitzung des Schulausschuss vertagt.
Laut Presseberichterstattung kommt der Schülerzahlentwicklung eine besondere Bedeutung zu, denn die Stadtverwaltung betonte, dass nachweislich 100 Kinder (das entspricht vier Eingangsklassen) zur Gründung einer Gesamtschule notwendig sind. Ich glaube, dass wir diese 100 Kinder problemlos zusammen bekommen können.

1. Eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung bedeutet heutzutage nicht, dass das Kind ein Platz am Gymnasium erhält. Die Kapazitäten an vielen Gymnasien sind begrenzt. Kinder mit eingeschränkter Empfehlung werden oft abgelehnt.
2. Wir wissen, dass auch leistungsfremde Kriterien bei Schulempfehlungen zum Tragen kommen (und sei es auch nur unbewusst). Es ist erwiesen, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten bei vergleichbarer Intelligenz schlechtere Schulempfehlungen erhalten als Kinder aus Familien mit entsprechender Bildung. Auch diese Kinder haben das Recht auf bestmögliche Bildung. Gesamtschulen halten hier alle Wege offen.
3. Im heutigen Modell werden Kinder, die den schulischen Erwartungen ihrer Schule nicht entsprechen "abgeschult". Ein Wort, das die Hässlichkeit des Vorgehens zutreffend bezeichnet. Das Kind muss seine Schule, sein soziales Umfeld verlassen - es wird, auch dies ist durch vielfältige Studien belegt, stigmatisiert und erlebt sich selber als "Bildungsversager".
Ein Urteil mit oft lebenslangen Folgen. Eine Gesamtschule kann nicht "abschulen"!
4. Nicht alle Eltern wünschen sich für ihre Kinder ein G8-Gymnasium, denn es gibt auch noch ein Leben neben der Schule - der Wunsch nach G9 ist weitverbreitet, was uns zu fünftens führt.
5. Die vorhandenen Gesamtschulen in der näheren Umgebung (Kerpen, Quadrat) nehmen kaum Frechener Kinder auf. Die Kölner Gesamtschulen sind ebenso überfüllt und zudem von Frechen aus mit vernünftigem Aufwand nicht erreichbar.
6. Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die klar besagt, dass Kinder mit Förderbedarf im Regelschulsystem zu unterrichten sind, ist in einem Schulsystem des "Abschulens" nicht vernünftig umsetzbar. Entweder, behinderte Kinder werden vom Prozess des "Abschulens" ausgenommen (was strukturell widersinnig wäre, "ungerecht" und unglaubwürdig gegenüber allen anderen Kindern) oder Kinder mit Förderbedarf finden sich in ihrer großen Mehrheit wieder in der untersten der noch existierenden Schulen - in Frechen wird dies die Hauptschule sein.

Das kann niemand wollen.

Es gibt also viele Gründe, sein Kind auf eine Gesamtschule zu schicken. jeder einzelne Grund ist ein guter Grund und soll Gehör finden.

Machen wir dem Rat Beine. Zeigen wir dem Rat, was sich Eltern wünschen. Zeigen wir Farbe, wenn es schon der Stadtrat nicht tut.
Es muss nicht bei 177 Eltern bleiben, die sich für diesen Antrag aussprechen.