An dieser Stelle wurde bereits vor drei Monaten über die Notwendigkeit eines Schülerspezialverkehrs vom Einzugsgebiet der Lindenschule (Grube Carl / Sandstraße / Alte Straße Richtung Wasserturm) rüber zum Übergangsstandort der Lindenschule am Herbertskaul hingewiesen.
Die Schulpflegschaft der Lindenschule hat einen Antrag auf Einrichtung eines Schülerspezialverkehrs gestellt, den der Schulausschuss morgen beraten muss.
Wer sich in der Gegend auskennt, der weiß, dass die Überquerung der Dürener Straße im Berufsverkehr keine wahre Freude ist, der weiß, dass die Querung der Straßenbahn im Bereich der Kreuzung Dürener Straße / Franzstraße ampellos von statten gehen muss, der weiß, dass die Bahnstraße sehr unübersichtlich ist.
In der städtischen Verwaltungsvorlage wird nun bezüglich der Gefährlichkeit des Schulwegs streng juristisch argumentiert:
Laut gerichtlicher Auslegung müssen dabei die normalen Gefahren des großstädtischen Straßenverkehrs weit überschritten sein.
Mag sein, dass Gerichte so entschieden haben, es spricht aber wenig dafür, dass Eltern sich dieser juristischen Einschätzung anschließen werden. Für Erst- und Zweitklässler ist diese Wegführung nicht ohne Gefahr, insbesondere weil kleine Kinder weder die Verkehrsregeln kennen, noch Geschwindigkeiten einschätzen, noch mit dem teilweise aggressiven Fahrverhalten von Berufspendlern umgehen können. Über das sprunghafte und nur schwer beeinflussbare Verhalten von Kindern, die in Gruppen unterwegs sind ganz zu schweigen, ebenso wenig sollte man über das Winterhalbjahr nachdenken, wenn die Kinder morgens in der Dämmerung unterwegs sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die Strecke zur Schule sich für viele Kinder mindestens verdoppelt wird. Von der Grube Carl aus ergeben sich Wegstrecken, die knapp an die 2 Kilometer heranreichen, 23 Kindern haben sogar einen Wegstrecke, die die 2 Kilometer übersteigt. Diese Strecke im Plapperkindermodus gelaufen führt dazu, dass die einfache Wegstrecke mit rund 40 Minuten kalkuliert werden muss.

In der Vorlage werden unterschiedliche Finanzierungsvarianten diskutiert, wobei nur eine Variante sinnvoll in Betracht kommt: die Einrichtung eines Schülerspezialverkehrs, der von der Stadt abseits aller rechtlichen Verpflichtungen für den Zeitraum der Bauphase zu finanzieren ist. Laut Einschätzung der Schulpflegschaft scheint es kaum möglich, über 200 GrundschülerInnen in die aktuell bereits überfüllten Busse des normalen Linienverkehrs zwängen zu wollen. Diese wurde durch die REVG bereits bestätigt:
Es wurde mit der REVG Rücksprache genommen, um die Möglichkeit eines Transports mit dem Linienverkehr zu prüfen. Die bestehende Linie wird vor allem durch Schüler/innen der weiterführenden Schulen stark frequentiert. Daher könnte es nach den Erfahrungen der REVG für Grundschüler nicht unproblematisch sein, dort mitzufahren.
Wichtig für Eltern ist, dass ihre Kinder sicher, pünktlich und verlässlich zum Übergangsstandort der Lindenschule und wieder zurück kommen. Es ist derzeit so, dass die übergroße Mehrheit der Kinder die Lindenschule zu Fuß erreicht, zum Nutzen der Kinder und der Eltern, die ihre Kinder eben nicht mit dem Auto zur Schule kutschieren müssen. Damit sind die Rahmenbedingungen für einen Schülerspezialverkehr abgesteckt.
Über den Schülerspezialverkehr muss der Schulbeginn und das Schulende abgedeckt werden. Hier aber geht die Verwaltungsvorlage nicht weit genug:
Bei den angenommenen Fahrten wurden lediglich Rückfahren zum regulären Unterrichtsende 11:30 Uhr, 12:35 Uhr und 13:20 Uhr vorausgesetzt. Da der Schulträger gemäß Erlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung vom 23.12.2010 nicht verpflichtet ist, Kosten für die Heimfahrten nach außerunterrichtlichen Betreuungsangeboten zu übernehmen, wurden diese nachmittäglichen Fahrten nicht berücksichtigt.
Das bedeutet nämlich, dass es keinen Bustransfer zum Ende des offenen Ganztags geben wird.
Das ist, mal ehrlich, eine unsinnige Sparpolitik, denn der geschlossene Ganztag an den weiterführenden Schulen gilt als Unterricht und daher muss ein Schülerspezialverkehr daraufhin ausgerichtet sein. Der offene Ganztag der Grundschulen dagegen gilt als „freiwillig“ …
Eltern von Grundschulkindern gehen ja auch nur freiwillig arbeiten und verzichten darauf gerne, um ihre Kinder nachmittagspünktlich von der OGS abzuholen – in unserem Wirtschaftssystem eine realistische Option, klar doch.
In der aktuellen Elternbefragung zur Gesamtschule war auch gefragt worden, wie viele Eltern sich ihre Grundschule als Ganztagsschule wünschen. 55% der Eltern haben diesen Bedarf angemeldet. Mit anderen Worten: rund 55% der Kinder müssen zukünftig von den Eltern abgeholt werden, wenn die Stadt sich an den Wortlaut der entsprechenden ministeriellen Erlasse hält.
Zudem lohnt sich ein Blick auf das Gesamtvolumen der Baumaßnahmen Lindenschule / Burgschule. Die Stadt will hier 22 Millionen Euro investieren. Es kann ja nicht sein, dass in diesem Volumen nicht auch die für die Einrichtung des Schülerspezialverkehrs notwendigen rund 160.000 Euro je Schuljahr vorhanden sind.
Auszuschließen ist das aber in Frechen nicht, denn die letzte Passage der Verwaltungsvorlage beschreibt einen Ausweg, den zwar die Lindenschuleltern nicht gehen werden, der aber ach so gesund und ach so vernünftig klingt:
Die Lindenschule hat in der Vergangenheit an den bundesweiten Aktionstagen „Zu Fuß zur Schule“ teilgenommen und im Verlauf dessen den sogenannten „Walking Bus“ ins Leben gerufen. Dieser ist eine Gehgemeinschaft von Kindern auf dem Schulweg. Jeder Walking Bus wird von 2 Erwachsenen begleitet. Die Kinder laufen in einer Gruppe auf einer festgelegten Route zur Schule, unterwegs werden weitere Kinder mitgenommen. .
So klingt es zwar schön, ist aber falsch, denn der „Walking Bus“ wurde nicht von Schule ins Leben gerufen, sondern beruhte alleine auf dem Engagement einer Einzelperson.
Ob der Walking Bus eine Alternative wäre auch für den Schulweg zur Burgstraße, hängt von der Initiierung durch Schulleitung und Schulkonferenz und der Bereitschaft und der Möglichkeit der Eltern zur Begleitung der Kinder ab.
Durch die Blume wird hier der hohe zeitliche und personelle Einsatz der Eltern angesprochen, der gegen eine Realisierung dieses Modells spricht. Die WalkingBus-Gruppen früherer Jahre umfassten maximal 15 Kinder mit je 2 Erwachsenen. Diese müssten die Kinder zum Herbertskaul begleiten und zu Fuß wieder nach Hause laufen und nachmittags alles in die umgekehrte Richtung. Der Zeitaufwand je Weg liegt bei deutlich über einer Stunde. Der tägliche Zeitbedarf und die hohe Anzahl an Eltern, die für den WalkingBus benötigt würden lassen diese Option heute bereits als die Totgeburt erscheinen.
Da geht dann auch die pädagogische Begründung mal forsch an der Lebenswirklichkeit vorbei:
Der Walking Bus stellt nicht nur eine umweltfreundliche Alternative dar, sondern fördert körperliche Aktivität und soziales Miteinander der Kinder. Nicht zuletzt werden dadurch sicheres Verhalten und Selbständigkeit im Straßenverkehr trainiert.
Und so gibt es bereits heute Eltern, die sich klar positioniert haben: Kommt kein Bus, dann werden die Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht. Die Verkehrssituation auf der Franz- und der Burgstraße wird dank dieses Autokorsos dann zu einem zweijährigen Ärgernis, nachdem die Verwaltungsvorlage die „Verkehrsbelastung der Burgstraße“ zumindest als Problem angesprochen hat.