Thema: Zuckungen
Die Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, das Theorieorgan der SPD betitelt ihre aktuelle Ausgabe mit „Die Rückkehr der Verteilungsfrage“, eine Rückkehr die zumindest aus Sicht der SPD einigermaßen erstaunlich scheint, da man dort doch glaubte, die Verteilungsfrage sei weitestgehend gelöst.
Doch seit einigen Jahren fällt auf, dass wir wohl einer Illusion aufgesessen sind.

Die Zeit schrieb im Januar 2016:
Vermögen in Deutschland sind immer ungleicher verteilt. In Deutschland wächst die Kluft zwischen arm und reich. Laut einem Medienbericht verfügen zehn Prozent der Haushalte über mehr als die Hälfte des Vermögens im Land.

Im Spiegel konnte man im September 2015 lesen:
Bericht des Weltwirtschaftsforums: Soziale Ungleichheit lähmt Deutschland.

Und die Liste entsprechender Presseberichte ließe sich beliebig verlängern. Dazu kommen eine Vielzahl von Untersuchungen von Historikern, Soziologen, Politologen und Ökonomen.

Die SPD hätte es besser wissen können. Aber man vergisst ja die Erkenntnis der Altvorderen gerne.
Nur zur Erinnerung ein Zitat eines wichtigen Genossen aus dem Jahre 1909:
„Die kapitalistische Produktion hat zu einer gewaltigen Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums geführt. Aber dieser wachsende Reichtum fließt nur zum geringsten Teil den arbeitenden Klassen zu. In den verschiedene Formen des Profits und der Bodenrente ziehen die Grundeigentümer und die kapitalbesitzenden Klassen immer größere Mengen von Mehrarbeit an sich. Es wächst immer mehr die Zahl derer, die auf Grund von Besitztiteln und arbeitsloses Einkommen genießen, und in noch höherem Grade als ihre Zahl wächst ihr Kapitalreichtum. Riesenvermögen, wie keine frühere Zeit sie gekannt, häufen sich in Einzelhänden an, ins Ungeheure wächst der Abstand zwischen den Einkommen der breiten Masse und der um Lohn oder ein Lohn ähnliches Gehalt sich Mühenden und dem Einkommen der Kapitalistenaristokratie, deren Luxus ins Unermessliche wächst und das öffentliche Leben korrumpiert.
Eduard Bernstein, Der Reivisionismus in der Sozialdemokratie, Amsterdam 1909, S. 44ff.

Abgesehen von der etwas altmodischen Begrifflichkeit, wesentlich Neues beinhalten die aktuellen Untersuchungen auch nicht.
Bedauerlich nur, dass es Sozialdemokaten wie Toni Blair und Gerhard Schröder waren, die durch die Befreiung des Finanzkapitalismus der Refeudalisierung der Vermögensstruktur massiv Vorschub geleistet haben.

Da gilt es, Widergutmachung zu leisten.

Schon 1905 schrieb er im Zusammenhang mit der damals die Partei umtreibenden „Massenstreikdebatte“ über den Zustand seiner Partei:
„Wir sind wirklich, ich kann es nicht anders ausdrücken, in manchen Dingen etwas stumpf geworden!“
Auch dieses Zitat hat wohl Gültigkeit für die heutige Zeit behalten.
Andernfalls, so die Vermutung, hätte die SPD das Thema soziale Ungleichheit schon früher entdeckt.





herr klimlof, Montag, 13. Juni 2016, 20:18
Man sollte ruhig der Tatsache ins Gesicht sehen, dass über die Hitler4-Gesetze eine proaktive Rückkehr in sozialdarwinistische Zeiten vollzogen wurde.

Was ist von einer Sozialdarwinistischen Partei Deutschlands (SPD) auch anderes zu erwarten? Bis in die Länderebene hinauf machen sie einen teilweise wirklich überzeugenden sozialen Eindruck, aber die gesamte Führungsebene erweist sich als üble Brut.
"Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen." zitiere ich beispielhaft den Müntefehring. Dann Sarrazin mit seiner erfolgreichen Volksverhetzungskampagne, die dadurch als Bandenkriminalität einzustufen ist, dass ihm Verleger, Redakteure und Journalisten mit Macht die eugenischen Steigbügel gehalten haben. Pfui!

Jetzt haben wir wieder unwertes Leben in Form von Menschen, die nicht über ein entsprechend lukratives Geschäftsmodell verfügen, um ohne Hilfe von der Gemeinschaft auskommen zu können. Nicht Religion, nicht die Ethnie sondern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sind das als gerecht empfundene Sortierkriterium.

So weit entfernt von den Grundwerten wie jetzt war D seit '45 nicht mehr.
Dem Untermensch3.0 steht der Herrenmensch3.0 gegenüber. Die sich Leistungsträger nennenden Edelherrenmenschen und die sich als "fleißiger Deutscher" aufwertenden höheren&niederen Knechte sind so froh, den Nutzmenschenhaltern dienen zu dürfen, wie es von '33 bis '45 bei den Deutschen ebenfalls der Fall war.
Faschismus funktioniert auch ohne braune Hemden.

Angstfreiheit und der Repressionsgrad sind aussagekräftige Indikatoren, um abseits von Fixierung auf Nazis die mögliche Lebensqualität oder ihr Fehlen in einer Gesellschaft zu ermitteln.